Viel gelernt fürs Leben 2
Die Kantine, eigentlich eher eine gemütliche kleine Wirtschaft im Keller der Schulgebäude, hatte natürlich auch nach dem Abendessen noch geöffnet, doch wir hatten bisher noch keine Gelegenheit gehabt, uns längere Zeit dort aufzuhalten, weil unser Lehrgang nach dem Abendessen immer noch fortgeführt worden war und zumeist am späten Abend mit einer anstrengenden Einsatzübung endete, nach deren Abschluss wir todmüde in die Betten fielen.

Nicht so heute Abend. Nach dem Essen bildeten sich kleine Grüppchen und man unterhielt sich bei ein paar Cola oder dem ein oder anderen Bierchen über die letzten zwei Wochen, das erlebte und gelernte, lachte und war allgemein guter Dinge. Das traf besonders auf mich zu, denn mein Herz machte vor Freude einen Sprung, als Jana sich nach dem Essen wie selbstverständlich neben mich an den Tisch setzte und wir hatten bis in den späten Abend hinein viel Spaß, alberten herum und lachten viel. Irgendwie, ich weiß nicht mehr wann, hatten auch unsere Hände unter dem Tisch wieder zusammengefunden und ich streichelte zärtlich mit dem Daumen Janas Handrücken, was sie damit beantwortete, dass sie meine Hand leicht drückte und später am Abend ihren Kopf auf meine Schulter legte - mir ging's gut!

Gegen ein Uhr lösten sich die meisten Grüppchen auf, zu anstrengend waren die letzten Tage gewesen und auch mir wurden langsam die Augenlieder schwer aber ich hätte um nichts in der Welt etwas gesagt oder getan, was Jana dazu gebracht hätte, ihren Kopf von meiner Schulter zu nehmen oder gar meine Hand loszulassen. Daher war sie es dir sich irgendwann im Raum umschaute und zu unseren beiden Kameraden, die noch am Tisch saßen meinte: "Ist Euch eigentlich aufgefallen, dass wir die einzigen von unserem Lehrgang sind, die hier noch 'rumhocken? Die anderen sind brav im Bettchen".

Das stimmte, die wenigen anderen Personen im Raum waren Teilnehmer eines Gruppenführerlehrgangs und einige Jahre älter als wir. Sie hatten auch sicherlich nicht so sehr unter ihren Ausbildern leiden müssen wie wir und waren augenscheinlich noch gut in Form. Jana gähnte hinter vorgehaltener Hand und meinte: "Wie sieht's aus, gibt es hier einen edlen Ritter, der einer einsamen Jungfrau das Geleit auf ihr Gemach gibt?".
Sicherlich hätten auch meine beiden Freunde am Tisch nichts dagegen gehabt, ein bisschen mit Jana alleine zu sein, aber beide hatten offensichtlich gesehen, dass es zwischen uns beiden ein wenig gefunkt hatte und die Kameradschaft zwischen uns war in den letzten beiden Wochen so stark geworden, dass beide sich diskret zurückzogen und uns eine gute Nacht wünschten.

"Tja", sagte ich, "da werden ihro Jungfräulichkeit wohl mit einem armen Burschen vom Lande Vorlieb nehmen müssen."

Jana setzte sich auf meinen Schoß, legte ihre Arme um mich, küsste mich sanft auf den Mund und erwiderte: "Wir sind zufrieden!". Wie schön war doch die Welt...

Hand in Hand verließen wir die Kantine und gingen über den dunklen Hof in Richtung unserer Unterkünfte. Unter einem Baum ein wenig außerhalb des Lichtscheins, der aus dem Eingang unseres Wohngebäudes drang, blieben wir stehen und ich legte meine Arme um Janas Hüften und zog sie sanft an mich heran.

"Aber mein Junker", protestierte Jana leise, "was tut Ihr da mit einem wehrlosen Wesen?" "Verzeiht, meine Holde", entgegnete ich, "aber ich bin nicht Herr meiner selbst".
"Dann kann man Euch wohl auch keinen Vorwurf machen, nicht wahr?", flüsterte Sie und beendete den Dialog mit einem langen Kuss, der mir wohlige Schauer über den Rücken jagte. Ich öffnete leicht meinen Mund und spürte einen Moment später, wie Ihre Zunge zwischen meine Lippen hindurchglitt und die meine suchte und fand. Ich streichelte Ihren Rücken und Ihr Gesicht und sie fuhr mir mit ihren Händen durch mein Haar und liebkoste meinen Nacken, was mich fast wahnsinnig machte. Das blieb ihr nicht lange verborgen, denn mit einem mal blickte sie mich an und flüsterte: "Hoppla, was rührt sich denn da...? "Tja, was soll ich machen, dafür bist Du zumindest mitverantwortlich", gab ich zurück und küsste sie noch einmal zärtlich auf den Hals, was sie mit einem leisen Schnurren quittierte und meinte: "Damit kann ich leben." "Ja, ich auch", grinste ich, erleichtert darüber, dass sie so locker mit meiner körperlichen Reaktion umging.

"Wir sollten jetzt aber trotzdem aufhören, glaube ich - auch wenn ich es nicht will", seufzte sie. "Wir haben morgen noch 'was vor, erinnerst Du Dich?" Ja klar erinnerte ich mich, wenn auch widerwillig. Aber Jana hatte recht, es wäre total blödsinnig gewesen, den Lehrgang zu riskieren, weil wir nicht halbwegs ausgeschlafen zur Prüfung erscheinen würden und damit der Mühen der letzten beiden Wochen zunichte gemacht hätten.
"Du hast leider recht", wisperte ich ihr ins Ohr, "und Gott-sei-Dank wohnen wir ja nur ein paar Kilometer voneinander entfernt, so dass nicht morgen schon wieder alles vorbei ist." "Ansonsten würde ich hier auch nicht mit Dir stehen", entgegnete Jana und gab mir noch einen Kuss auf die Nase. "Ich halte nämlich nichts von kurzen Beziehungen mit oberflächlichen Typen. Deshalb hatte ich bisher auch noch keine." "Noch nie?" "Nein. Und Du?" "Naja...", ich zögerte - einen Moment hin- und hergerissen zwischen dem jungenhaften Bedürfnis ein wenig anzugeben und dem Eingeständnis, dass außer ein bisschen Knutschen bisher bei mir auch noch nichts gelaufen war.
"Nein,", sagte ich schließlich, "ich hatte auch noch keine feste Beziehung." Jana umarmte mich ganz fest, sah mich an und meinte leise: "Das macht mich sehr froh, Tim, ehrlich.". Sie legte den Kopf an meine Brust und wir standen noch ein paar Minuten engumschlungen da und lauschten nur auf den Atem und Herzschlag des anderen - von mir aus hätte diese Nacht nie zu Ende gehen müssen. Erst das Gelächter der Teilnehmer des Gruppenführerlehrgangs, die aus der Kantine strömten, beendete unsere Zweisamkeit und wir gingen Arm in Arm in unser Wohngebäude. Vor Janas Zimmertür angekommen, hauchte sie mir noch ein "Gute Nacht!" ins Ohr, küsste mich kurz und verschwand in die Dunkelheit ihres Zimmers. Ich fühlte mich wie auf Wolke sieben, schwebte geradezu in Richtung meines Zimmers und schlief überglücklich ein.