|
|
| Gays treffen |
|
When
I kissed the teacher... Etwas verloren stand Fabian auf dem Schulhof zwischen so vielen unbekannten Mädchen und Jungen verschiedenen Alters. Dennoch sah er sich neugierig um. Es war eben ein typischer Schulhof, wie es sie zu Tausenden in Deutschland gab. Wie auch hier, in Braunschweig. Da ertönte schon die Klingel zur ersten Stunde. Fabian zog einen Zettel aus seiner Tasche. Er faltete ihn auseinander. Montag 1. Stunde: Raum Süd 3, Geschichte, Herr Becker, stand darauf. Eine gute Information, jetzt hieß es nur noch, Süd 3 zu finden. Fabian ließ sich von der Masse junger Menschen durch den Haupteingang in das Schulgebäude drängen. Drinnen schaute er sich noch einmal um. Die Pausenhalle war recht groß, er war ja auch eine ziemlich große Schule, die alte Oberschule. Nach einer Weile tippte Fabian jemandem auf die Schulter, der gerade in seiner Nähe stand. Hallo. Sag mal, wo ist hier Süd 3? Das Mädchen, das er gefragt hatte, musterte ihn neugierig. Neu, wie? Geh dort hinten die Treppe rauf. Dann gleich links. Die Türen sind beschriftet. Danke. Man sieht sich. Fabian hob schnell die Hand, drehte sich um und ging mit langsamen Schritten auf die besagte Treppe zu. Ebenso gemütlich trottete der 18jährige diese hinauf. Oben bestätigte sich Fabians erster Eindruck von der Schule: hell und modern. Es gab viele Fenster, die Wände waren einigermaßen weiß geblieben, an einigen Stellen waren sie bunt bemalt worden, anscheinend von Kunstkursen. Fabian nahm sich die Zeit, sich diese Bilder genau anzusehen, auch wenn es schon zum zweiten Mal geläutet hatte und die meisten Schüler längst in den Klassenräumen verschwunden waren. Fabian wollte mal wieder absichtlich zu spät kommen. Er liebte Aufmerksamkeit und Aufsehen. Da paßte das doch zu seinem Einstand an der neuen Schule. Doch einfaches Zuspätkommen genügte seinen Ansprüchen eigentlich nicht. Er überlegte kurz und hatte wieder einen neuen Einfall. Fabian machte auf dem Absatz kehrt, lief die Treppe herunter und suchte sich seinen Weg ins Sekretariat. Auch dies kostete ihn einige Minuten. Als er dieses dann betrat, sah die Sekretärin, die in dem Raum saß von ihrem Computer auf. Kann ich ihnen helfen? Oh ja, das wäre sehr nett. Fabian setzte sein nettestes Lächeln auf. Ich bin neu hier und finde mich nicht so zurecht. Ich habe jetzt Geschichte, glaube ich. Nur wo, das weiß ich nicht. Ach, warten sie. Die Sekretärin sah kurz in einige Unterlagen, die auf ihrem Schreibtisch lagen. Süd 3. Sie sah auf. Doch da Fabian ein so hilfloses Gesicht machte, stand sie auf. Ich führe sie schnell hin. Vielen Dank. Fabian strahlte dankbar. Die Sekretärin lächelte daraufhin zurück. Offensichtlich ein sympathischer, höflicher Schüler. Sowas hatte sie selten erlebt, in den 15 Jahren, die sie von ihren 53 hier verbracht hatte. So begleitete die Dame den natürlich völlig unwissenden Fabian zu Süd 3. Dort klopfte sie dann an die Tür und öffnete. Die Sicht wurde frei auf den Klassenraum und seine Insassen, 18 Schüler und ihren Lehrer, den besagten Herrn Becker. Herr Becker, dieser junge Mann ist neu, er gehört in ihren Kurs, sagte die Sekretärin. Es gab den von Fabian gewünschten Effekt: Die Schüler sahen ihn neugierig an und der Lehrer schenkte ihm volle Aufmerksamkeit. Die Sekretärin war unterdessen schon wieder aus dem Raum verschwunden. Anscheinend hatte sie Wichtigeres zu tun. Ah ja? Dann kommen sie mal herein, sagte Herr Becker. Wie war der Name? Ich hatte noch keinen Namen gesagt, meinte Fabian. Nun, Herr Neunmalklug, vielleicht würden sie das dann mal tun? Herr Becker zog die Augenbrauen hoch. Einige Mädchen kicherten, als wären sie noch in der Grundschule. Sicher. Fabian Sander. Wie die von der Kaufhauskette?, fragte ein Mädchen. Nicht nur wie. Fabian zog seine Mundwinkel zu einem überlegenen Lächeln hoch. Das Mädchen schaute beeindruckt. Fabian schaffte es immer wieder. Ob nun Kaufhaus oder nicht, sie sollten sich jetzt setzen und dem Unterricht folgen, schaltete sich Herr Becker ein. Sie können sich ja später über den momentanen Stoff informieren. Natürlich, erwiderte Fabian und setzte sich hocherhobenen Hauptes auf einen Platz neben einem Jungen am Fenster. Der sah ihn einen Moment an, bis Fabian zurückstarrte. Is was? Der Junge neben ihm schüttelte den Kopf und konzentrierte sich auf ein Tafelbild, das Herr Becker anzeichnete. Zufrieden lehnte sich Fabian zurück. Vorerst hatte er genug Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nach der Stunde, als er seine Sachen zusammenpackte, trat ein Mädchen
an seinen Tisch und streckte ihm die Hand entgegen. Hallo. Britta Krause.
Fabian sah sie ein wenig überrascht an. Das war anscheinend das Vorhaben
des Mädchens gewesen, denn sie begann zu grinsen. Machst dir ja
gleich viele Freunde, wie? Was meinst du?, fragte Fabian,
als er seinen erhabenen Tonfall wiedergefunden hatte. Britta zog ein zerknülltes
Blatt Papier hervor und gab es Fabian. Der glättete es und las: Ganz
schön eingebildet der Neue, was? Fabian schaute wenig irritiert.
Und wenn schon. Hey, du bist doch bestimmt gar nicht so.
Britta holte einen Apfel aus ihrem Rucksack und biß hinein. So
ne Phase hatte ich auch mal. Ach? Fabian sah sie fragend
an. Was hast du jetzt?, wollte Britta wissen, ohne weiter auf
das Thema einzugehen. Ich weiß nicht. Fabian kramte einen Stundenplan
aus seiner Tasche heraus. Physik. Herr Berg. Wow, Leistungskurs.
So gut bin ich in Physik wirklich nicht, meinte Britta ehrlich beeindruckt.
Naja, ich mag Naturwissenschaften. Langsam vergaß Fabian
seinen snobistischen Unterton. Ich auch! Aber seine Begabungen kann
man sich nicht aussuchen. Sag mal, sehen wir uns in der Pause? Wenn
du willst. Gut, treffen wir uns draußen in der Raucherecke.
Mit diesen Worten verließ Britta den Klassenraum. Fabian sah ihr verwundert
nach. Daß so schnell jemand mit ihm Freundschaft schließen wollte,
und daß, obwohl er sich wirklich nicht gerade einladend verhalten hatte.
Eigentlich war er froh darüber. Er ging als Letzter aus dem Raum und
suchte den Physiksaal, den er nach einiger Zeit fand. Er bemühte sich
in dieser zweiten Stunde, nicht aufzufallen. Er bemerkte, daß er den
Stoff, der durchgenommen wurde, gut beherrschte. Die Schüler waren ihm
in nichts voraus. Nach der Stunde ging er wie verabredet in die Raucherecke
auf dem Schulhof, die er ausnahmsweise mal ohne Probleme fand. Auch Britta
traf er nach kurzer Zeit dort an. Hey, wie wars so?, wollte
sie wissen. Einfach, erwiderte Fabian leger. Echt? Alle
sagen, der Kurs wäre schwer. Britta zündete sich eine Zigarette
an und hielt Fabian ihre Malboro- Packung hin. Der zögerte kurz, griff
dann aber zu. Und was hast du jetzt?, fragte Britta, während
sie Fabian den Glimmstengel ansteckte. Deutsch, Doppelstunde. So weit
ich weiß. Fabian blies den grauen Rauch in die Frühlingsluft.
Bei Herrn Teschner? Kann sein. Cool, da bin
ich auch drin, meinte Britta. Habt ihr hier nur Lehrer, keine
Lehrerinnen?, wollte Fabian wissen. Nö. Aber mehr Herren
als Damen. Ach? Stört dich das? Britta
sah ihn fragend an. Nö. Im Gegenteil. Fabian warf seiner
Gesprächspartnerin einen bedeutungsvollen Blick zu. Wie?
Brittas Miene wurde interessiert. Tja... Fabian grinste und Britta
lächelte zurück. Fabian sah sich noch einmal auf dem Schulhof um.
Gibt es hier keine interessanten Leute? Doch. Klar. Zumindest
einige, die von sich reden machen, erwiderte Britta. Sie drehte sich
um und zeigte verstohlen auf ein aufgedonnertes Mädchen, das sich gerade
mit einem anderen unterhielt. Die da, Anja Bechtel, die soll angeblich
schon mit sieben Leuten hier geschlafen haben. Schlampe also,
schlußfolgerte Fabian. Dann habt ihr aber auch die Leute, die
im Zölibat leben. Ja, sicher. Da. Die da drüben.
Britta wies wieder mit der Hand auf ein Mädchen mit einem weiten Pullover
und Schlabberjeans, die gerade eifrig mit einem bebrillten 2 Meter Mann diskutierte.
Total Öko. Und absolut Jungfrau keusch. Auch
ne Art, meinte Fabian. Aber nichts für mich. So,
so. Das ist ja interessant. Britta! Endlich find ich dich!
Ein weiterer Schüler kam auf die beiden zu. Du weißt doch,
daß ich immer hier bin. Egal, keuchte der Junge. Uli
hat gesagt, die Heinze schreibt heute nen Test. Was?, rief
Britta überrascht. Nich wahr!? Ich weiß nicht.
Toll. Britta ließ ihre Zigarette fallen und drehte ihren
Fuß darauf. Das ist übrigens Fabian Sander. Aha,
Hallo, sagte der Typ. Harry, Harry Fredlich. Schöner
Ring. Fabian zeigte auf das Piercing, das Harry in der Augenbraue trug.
Ich hab auch eins. Fabian zog sein schwarzes Shirt hoch, bis sein
Bauchnabel sichtbar wurde, in dem sich ein silberner Ring befand. Harry
schaute ein wenig befremdet drein. Ich kenn nur Mädchen, die das
haben. Da gongte es. Harry, laß uns hoffen, daß Uli
nur wieder rumspinnt. Der macht doch dauernd die Leute verrückt,
sagte Britta. Dann wandte sie sich wieder Fabian zu. Komm, dann gehen
wir jetzt zu Deutsch. |