Gays treffen 6

Fabian schloß die Augen und ließ das heiße Wasser der Dusche auf sich herunterprasseln. Sie hatten gewonnen, zwei zu eins. Er hatte das restliche Spiel auf der Bank verbracht. Und sein Trainer hatte ihn nicht einmal angesehen oder gefragt, wie es ihm ging. Die restliche Mannschaft war bereits fertig geduscht zu ihrer Stammkneipe verschwunden, um den Sieg zu feiern. Nur Fabian stand noch im Duschraum der Umkleidekabinen und dachte angestrengt über seinen Trainer und Lehrer nach. Was hatte ihn selbst dazu bewogen, dessen Hand zu berühren? Das brauchte er sich nicht zu fragen: Seit Fabian ihn das erste Mal in Deutsch gesehen hatte, verspürte er jedes Mal ein kribbelndes Gefühl, wenn er ihn sah. Aber es war trotzdem nicht richtig gewesen, was er da vorhin getan hatte. Und doch erhellte sich Fabians Gesicht, wenn er an das Gefühl von Jan Teschners Haut dachte. Seine Hand war weich und warm gewesen. Ein richtig tolles Gefühl. Plötzlich schreckte Fabian auf, als er glaubte, Schritte zu hören. Er öffnete seine Augen und drehte sich um. Er sah seinen Trainer in dem Durchgang zwischen Dusch – und Umkleideraum stehen. Der schaute ihn in atemloser Spannung an. Als der Fabians Blick bemerkte, verschwand er schnell. Nach einigen Sekunden hörte Fabian eine Tür auf – und zugehen. Jetzt war er vollends durcheinander. Was hatte das zu bedeuten? Fabian drehte die Dusche ab und ging in den Umkleideraum herüber. Nein, Herr Teschner war weg.
An diesem Abend konnte Fabian nur schwer einschlafen. Er war vom Sportplatz gleich nach Hause gefahren, denn er wollte nicht noch einmal Herrn Teschner begegnen. Morgen aber würde sich das wohl kaum verhindern lassen. Eigentlich wollte er ihn ja sehen, aber er wußte ja gar nicht, was jetzt eigentlich los war. Vielleicht war da ein klärendes Gespräch fällig. Fabian wälzte sich in seinem Bett herum. Sein Kopf tat noch immer ein bißchen weh, aber das war im momentan nicht sein Problem. Nach längerer Zeit voller schwerer Gedanken fiel Fabian doch noch in einen unruhigen Schlaf.

Am Montag Morgen fühlte sich Fabian ziemlich zerschlagen, als er in der Schule ankam. Britta erwartete ihn dort bereits. „Wie geht es dir denn?“, fragte sie ihn besorgt, während sie sich auf den Weg zum Geschichtsunterricht machten. „Naja. War schon besser. Aber mach dir keine Sorgen“, erwiderte Fabian und warf ihr einen zuversichtlichen Blick zu. „Wir hatten uns nur gestern gar nicht mehr gesprochen, deshalb dachte ich, dir geht’s vielleicht nicht so toll.“ „Nett, daß du dir Sorgen machst.“ Da waren sie auch schon in Süd 3 angekommen. Herr Becker war auch schon da und ermahnte die beiden aufgrund der kleinen Verspätung, doch allzu dramatisch war das nicht.
Die nächsten beiden Stunden waren für Fabian geradezu unerträglich. Er war irgendwie nervös, er konnte kaum still sitzen. In der großen Pause mußte er zur Beruhigung erst mal eine Zigarette rauchen, obwohl das ja sonst nicht seine Art war. Den anderen fiel auch auf, daß er nicht besonders gesprächig war. Doch Fabian selber merkte das gar nicht, was kein Wunder war, denn er dachte nur an die beiden Folgestunden. Als es dann endlich klingelte, holte Fabian tief Luft, bevor er das Schulgebäude betrat. Er war der erste, der vor dem Raum stand, in dem er nun Deutsch haben sollte. Nach einiger Zeit hatte sich der ganze Kurs eingefunden. Fabian hielt nach seinem Lehrer Ausschau. Diesen sah er dann auch, als er um eine Ecke bog. Schnell sah er weg. Feigling, dachte er so bei sich. Herr Teschner schloß auf und die Schüler betraten den Raum. Fabian setzte sich auf seinen Platz. Erst dort wagte er es wieder, seinen Lehrer anzusehen. Der unterhielt sich kurz mit einem anderen Schüler, dann setzte auch dieser sich auf seinen Platz. Und dann trafen sich die Blicke von Fabian und Herrn Teschner. Fabian konnte nicht feststellen, was in den Augen seines Lehrers zu sehen war. Auf jeden Fall war es diesmal Fabian, der als erster den Blickkontakt unterbrach. Einige Momente später begann der Deutschlehrer wie gewöhnlich mit dem Unterricht. Fabian konnte sich natürlich nicht konzentrieren. Statt dessen suchte er immer wieder den Augenkontakt mit Herrn Teschner, der diesen auch manchmal aufnahm. Diese Chancen nutzte Fabian dann immer, um etwas Anzügliches, fast Betörendes in seinen Blick zu legen. Es war sicher, daß sein Lehrer das bemerkte. Und als es dann zur kleinen Pause klingelte und sich alle anderen angeregt unterhielten, trat Herr Teschner auf Fabian zu. „Ich muß Sie nach der Stunde einmal sprechen. Sie wissen ja, wo das Sprechzimmer ist.“ Fabian nickte nur, dann begab sich der Lehrer auch schon wieder zu seinem Pult. Nach dieser Mitteilung war die nächste Stunde für Fabian nur noch schwerer auszuhalten. Was wollte Herr Teschner wohl mit ihm besprechen? War er sauer auf ihn? Oder gab es etwas anderes? Auch Britta schien sich das zu fragen, denn sie stieß ihren Nachbarn an. „Was wollte er denn von dir?“ Fabian zuckte nur mit den Schultern und grübelte weiter.
Als es nach einer für Fabian schier endlosen Zeit endlich gongte, war er schnell aus dem Raum verschwunden. Nun überlegte er, ob er überhaupt zum Sprechzimmer gehen sollte. Doch nach einer Weile rang er sich durch und machte sich auf den Weg dorthin. Der besagte Raum war vor dem Lehrerzimmer, neben dem Krankenzimmer. Es herrschte ein reges Treiben vor dem Lehrerzimmer. Duzende von Schülern standen herum und wollten alle möglichen Lehrer sprechen. Fabian klopfte an die Tür des Sprechzimmers und öffnete dann vorsichtig. Er schaute hinein und sah Herrn Teschner an einem Tisch sitzen und etwas in seinen Kalender schreiben. Er bemerkte Fabian und sah auf. „Kommen Sie rein.“ Fabian tat dieses und setzte sich auf einen Stuhl. Herr Teschner schloß die Tür und nahm dann selber wieder Platz. Zuerst herrschte kurzes Schweigen, dann begann der Lehrer: „Was sollte das heute?“ „Was? Ich verstehe nicht.“ Fabian schaute ihn fragend an. „Die ganzen Blicke. Und nicht nur heute. Das gestern, beim Spiel...“ Fabian sah auf die weiße Tischplatte. „Haben Sie dazu gar nichts zu sagen?“ Fabian erwiderte nichts. Brauchte er auch nicht, denn Herr Teschner stand auf und lehnte sich neben Fabian an den Tisch. „Wollen Sie es mir denn nicht sagen?“, fragte er. Fabian schüttelte den Kopf. „Müssen Sie auch gar nicht. Ich weiß ja, worum es geht.“ Fabian sah auf. „Wie meinen Sie das?“ „Naja, es ist nicht schwer, das herauszufinden“, sagte Herr Teschner. „Dein Annäherungsversuch gestern, diese Blicke heute...“ Fabian schluckte, aber Herr Teschner fuhr fort. „Jetzt habe ich das doch durcheinander gebracht, dieses Du und Sie.“ „Macht nichts“, meinte Fabian. „Doch. Ich denke schon. Hören Sie, ich bin Ihr Lehrer. Ich weiß nicht, wie Sie sich das vorgestellt haben oder was Sie erwartet haben, was ich tue.“ Wie aus einem Reflex nahm Fabian die Hand seines Lehrers. Dieser stockte kurz in seinen Ausführungen. „Sie wissen ja gar nicht, was Sie da tun“, sagte er dann nur. „Und Sie wissen gar nicht, was sie mir antun“, meinte Fabian und stand auf. Herr Teschner sah ihn an. „Und was jetzt?“ Fabian mußte nicht mehr lange überlegen. Vorsichtig näherte er sich seinem Lehrer und küßte ihn kurz. Herr Teschner ließ es geschehen und sah ihn daraufhin nachdenklich an. „Wer tut hier wem etwas an?“, wollte er wissen. Er hob seine Hand und strich über Fabians Gesicht. „Das geht nicht“, meinte er dann. „Ich weiß“, sagte Fabian. „Darauf kann ich mich nicht einlassen. Ich bin dein Lehrer, noch dazu verheiratet...“ „Darüber bin ich mir im Klaren.“ Fabian nickte und setzte sich auf den Tisch. „Aber wenn wir bis hierher gekommen sind, können wir auch noch weitergehen.“ Er legte die Arme um seinen Lehrer und zog ihn zu sich heran. Sie schauten sich einen Moment lang in die Augen. Dann küßten sie sich wieder. Schon hatten Fabians Hände den Weg zwischen die Beine seines Lehrers gefunden, während der sich unter das Shirt seines Schülers tastete. Eine Weile lang tauschten sie Zärtlichkeiten aus, dann klopfte es auf einmal an der Tür. Erschrocken ließen sie voneinander ab und Fabian rutschte vom Tisch auf einen Stuhl. Dann öffnete sich auch schon die Tür. Eine Fabian unbekannte Lehrerin steckte den Kopf herein. „Ach, entschuldige Jan, brauchst du noch lange hier?“, fragte sie. „Nein. Zwei Minuten“, erwiderte Herr Teschner ziemlich gefaßt. „OK. Ich habe dann auch noch ein Gespräch. Sag mir Bescheid.“ Schon war sie wieder verschwunden. „Das war knapp“, sagte Fabian nach einer Weile. Jan Teschner nickte. „Wie geht es jetzt weiter?“, wollte der Schüler wissen. „Ich weiß es nicht“, erwiderte der Lehrer. „Ich will dich wiedersehen. Nicht so, in der Schule..“, sagte Fabian. „Ich dich auch.“ Herr Teschner lächelte ihn an. „Wirklich?“ Fabian sah ihn glücklich an. „Aber wir müssen äußerst vorsichtig sein. Hast du ja gerade gesehen, warum.“ Fabian nickte zustimmend. Sein Lehrer strich ihm über die Wange. „Du bist ganz warm“, bemerkte er. „Kein Wunder.“ Fabian lächelte. „Ja, wir müssen uns absprechen. Du weißt ja, da ist meine Frau. Das macht es noch ziemlich kompliziert.“ Fabian sah Jan Teschner verständnisvoll an. „Aber sie ist dieses Wochenende auf dem Geburtstag einer Freundin in Hamburg. Frauenparty, verstehst du“, erklärte der Lehrer. „Du meinst, du willst, daß ich zu dir komme?“, fragte Fabian. „Ja. Das will ich. Wenn du willst.“ „Keine Frage.“ Fabian strahlte noch mehr. „Jetzt geh. Ansonsten passiert noch irgendwas“, meinte Herr Teschner. „OK. Es soll nicht vorbei sein, bevor es angefangen hat.“ Fabian stand auf und griff nach der Hand seines Lehrers. Ihre Lippen berührten sich noch einmal sanft und ausgiebig, dann löste sich Fabian. Er öffnete die Tür, warf seinem Lehrer noch einen liebevollen Blick zu, dann verließ er das Zimmer. Herr Teschner sah ihm noch nach.

Den restlichen Montag schwebte Fabian auf Wolke 7. Aber wie sollte Fabian die Zeit bis zum Wochenende herumkriegen?
Diese Woche hatte es in sich: Nicht nur, daß Fabian das übliche Fußballtraining im Terminplan stehen hatte (was ihm aber natürlich nicht unangenehm war), ein Bandtreffen stand eben so an, wie einige Tests in der Schule. Doch irgendwie ging auch diese Woche herum, wenn auch viel zu langsam, wie Fabian meinte.
Am Samstag erwachte Fabian schon früh am Morgen vor Aufregung. Er hatte nur wenig geschlafen, da er am Abend noch lange wach gelegen hatte. Dennoch verspürte er nicht das geringste Anzeichen von Müdigkeit. Er konnte es kaum noch erwarten, Jan Teschner wiederzusehen.
Irgendwie gelang es ihm, sich die Zeit bis zum Nachmittag zu vertreiben. Doch langsam wurde er unruhig. Es durchfuhr ihn nun ein Gedanke: Was, wenn er das Treffen vergessen hatte? Naja, das sicher nicht, aber wenn seine Frau nun doch nicht weg war? Fabian beschloß, einfach bei seinem Lehrer anzurufen. Wenn seine Frau ans Telefon ging, würde er einfach auflegen. Mit unruhiger Hand suchte er aus dem Telefonbuch die entsprechende Nummer heraus, nahm seinen Telefonhörer ab und wählte sie. Das Freizeichen ertönte. Als auch nach einiger Zeit niemand ans Telefon ging, wollte Fabian schon auflegen, als sich auf einmal die nach Atem ringende Stimme seines Lehrers meldete: „Jan Teschner?“ Fabians Herz ging schneller, erst nach ein paar Sekunden konnte er etwas sagen. „Hallo, ich bin’s, Fabian.“ Sein Gesprächspartner wußte erst einmal gar nichts zu erwidern, deshalb fragte Fabian gleich: „Hast du mich vergessen?“ „Auf keinen Fall“, wehrte Jan Teschner sofort energisch ab. „Ich hatte nur gar nicht mehr damit gerechnet, daß du dich meldest.“ „Warum sollte ich nicht?“ „Wann kannst du vorbeikommen?“ Der Lehrer überging die Frage. „Das heißt, du willst wirklich, daß -“ Fabian wurde unterbrochen. „Natürlich. Ich habe alles ernst gemeint. Und ich tue es auch jetzt noch.“ Fabian mußte lächeln. „OK. Ich komme gleich zu dir. Wenn du mir sagst, wo du wohnst.“ „Sicher.“ Jan Teschner beschrieb schnell den Weg zu einer Straße nahe der Innenstadt. Fabian notierte alles, um sicherzugehen, daß er nichts vergaß. „Gut, ich beeile mich“, sagte er dann. „Dann bis gleich.“ Fabian legte auf und war mit einem Sprung auf den Beinen. Am liebsten wäre er sofort los gesprintet, aber es fiel ihm gerade noch ein, daß er sich vielleicht noch etwas Vernünftiges anziehen sollte. Er sah an sich herunter: Abgewetzte Bluejeans, verwaschenes T-Shirt...nicht gerade der Situation angemessen, auch wenn es ihn natürlich seiner Meinung nach besonders sexy machte. Dennoch zog er mit einem Grinsen sein Shirt aus und legte auch die Hose ab. Er wählte ein eng anliegendes schwarzes Oberteil und eine schwarze (nicht abgewetzte) Jeans. Er fand sich sehr schick. Der Meinung schien auch der Hund zu sein, der gerade ins Zimmer getrottet kam, denn er wollte auch sofort probieren, wie die neue Hose seines Herrchens schmeckte. Doch gerade als er seine lange Zunge danach ausstrecken wollte, wurde er von Fabian hochgenommen. „Untersteh dich!
Ich will mich nicht noch mal umziehen“, drohte Fabian, woraufhin Herkules anfing, unwillig zu kläffen. „Ist ja gut.“ Mit Schwung setzte er den Hund auf seinem Bett ab. „Wünsch mir Glück!“ Herkules machte ein zuversichtliches Gesicht, als Fabian mit schnellen Schritten den Raum verließ. Er lief die Treppenstufen hinab und sucht im Erdgeschoß nach seinen Eltern. Er fand seine Mutter im Wohnzimmer, wo sie ein Buch las und einen Tee zu sich nahm. Als ihr Sohn das Zimmer betrat, sah sie auf. „Na, wo willst du drauf los?“ „Ich latsch mal in die City. Weiß noch nicht, wann ich wieder da bin.“ Anne Sander nickte zustimmend. „Brauchst du den Wagen?“ „Nö, ich nehme mal ganz konventionell den Bus.“ „Ich verstehe zwar nicht, wieso, mein Kind, aber wenn du willst.“ Sie zuckte mit den Schultern. „OK, bis irgendwann.“ Er machte kehrt. Seine Mutter schüttelte den Kopf. „Diesen Jungen soll einer verstehen“, murmelte sie und widmete sich wieder ihrem Buch.

Ganz in der Nähe der Sanders befand sich eine Bushaltestelle, zu der sich Fabian nun begab. Zu seinem großen Glück (Herkules sei Dank!) mußte er nicht lange auf einen Bus in die Stadt warten. Eigentlich bevorzugte Fabian die Straßenbahn, aber hier tat es auch ein schnöder Bus. Er suchte sich einen Platz ganz weit hinten. Während der Fahrt schaute er interessiert durch das Fenster nach draußen. Er war schon ganz in Gedanken versunken, als er bemerkte, daß der Bus fast an der Haltestelle angekommen war, an der er aussteigen mußte. Also stand Fabian auf und drückte den Knopf für den „Haltewunsch“. Er mußte nicht lange warten, bis der Bus hielt und er das Fahrzeug verlassen konnte. Er kannte sich in der Wohngegend des Lehrers einigermaßen aus, deshalb war es kein großes Problem für Fabian, das Reihenhaus zu finden, in dem dieser wohnte. Als er endlich vor Jan Teschners Tür stand, raste sein Puls förmlich. Ihm war, als ob gleich der Boden unter seinen Füßen wegrutschen würde. Schließlich konnte er sich dafür entscheiden, an der Tür zu klingeln, auf der mit großen schwarzen Buchstaben „Teschner“ stand. Nach einer kleinen Weile wurde die Tür geöffnet und Fabian sah in das lächelnde Gesicht seines Lehrers. „Komm schnell rein!“ Er hielt Fabian die Tür weit auf, so daß dieser eintreten konnte. „Wegen der neugierigen Nachbarn“, meinte Jan Teschner und schloß die Tür hinter sich. „Verstehe. Typisch Reihenhaussiedlung, wie?“ Fabian sah sich neugierig um. Er stand noch im Flur, von dem aus eine Holztreppe in das obere Stockwerk führte. Sein Lehrer schob ihn jedoch weiter durch eine Tür, hinter der offensichtlich das Wohnzimmer lag. Es war gemütlich eingerichtet, nicht zu modern und nicht zu altmodisch. Jan Teschner wies auf eine schwarze Ledercouch, auf der Fabian und auch er selbst sogleich Platz nahmen. Einen Moment lang wußte keiner von beiden, was er sagen sollte. Doch dann fing der Hausherr an zu sprechen: „Ich hoffe, dir macht es nichts aus, wenn wir ein wenig reden?“ „Wieso, weswegen bin ich denn sonst hier?“ Fabian sah vielsagend in die Augen seines Lehrers. „Naja...was soll ich sagen.“ Jan Teschner räusperte sich. „Also die ganze Sache mit uns beiden ist sicher höchst...ungewöhnlich. Und außerdem verboten. Ich, oder wir, machen uns strafbar.“ „Wenn wir miteinander reden?“ Fabian mußte diese Bemerkung einfach machen. „Du weißt doch, was ich meine“, sagte sein Lehrer leicht nervös. „Ja, eben, das ist mir alles ganz klar.“ „Dann ist ja gut. Ich wollte nur sicher sein, daß du weißt, was wir riskieren.“ „War’s das, was du mir sagen wolltest? Dann kann ich ja wieder gehen“, meinte Fabian und stand auf. Er liebte diese Spielchen. „Meinst du das ernst.?“ Jan sah ihn fragend an. „Was denkst du denn?“ Fabian ließ sich auf Jans Schoß sinken. „Naja, ich kann ja noch eine Weile bleiben.“ Er berührte mit seinem Gesicht das seines Lehrers. „Laß uns nach oben gehen“, sagte der leise. „Was ist denn oben?“ Fabian küßte Jan. „Komm mit, dann siehst du’s.“ Sie standen auf und Fabian ließ sich von Jan Teschner die Treppe hochziehen. Im ersten Stock betraten sie durch eine Tür ein Zimmer, in dem ein großes Ehebett stand. Das Schlafzimmer. „Jetzt verstehe ich, warum du unbedingt wolltest, daß ich herkomme.“ Fabian lächelte. „Du willst es doch auch oder?“, fragte Jan etwas verunsichert. „Wäre ich sonst hier?“ Das genügte dem jungen Lehrer als Antwort. Sofort begann er damit, Fabians Oberteil auszuziehen. Das nahm Fabian zum Anlaß, Jan ebenfalls zu entkleiden. Es dauerte eine Weile, doch dann standen sie sich beide unbekleidet gegenüber. „Weißt du eigentlich, wie gut du aussiehst?“, ergriff Jan das Wort. „Danke gleichfalls“, erwiderte Fabian. „Das habe ich schon bemerkt, als ich dich das erste Mal gesehen habe, in der Klasse.“ „Mir geht es genauso“, meinte Jan. „Und seitdem ich dich nach dem Fußball im Duschraum gesehen hatte, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dich endlich berühren zu dürfen.“ Mit diesen Worten trat er auf Fabian zu.
Vorsichtig begann Jan, ihn zu streicheln. Sein Gesicht, seinen Oberkörper. Fabian schloß seine Augen. Wie sehr hatte er sich das alles erhofft. Wie oft hatte er sich vorgestellt, wie sein Lehrer ihn an den intimsten Stellen seines Körpers berührte. Und jetzt war es so. Alles andere war unwichtig geworden. So ließ er sich von Jan in die weichen Kissen des Ehebettes drücken und genoß jede einzelne Berührung.
Fabian lag ganz dicht bei Jan und hielt kurz den Atem an, um dessen Herz schlagen zu hören. Er spürte, wie die Hand seines Lehrer sich durch seine Haare bewegte und dabei zärtlich sein Gesicht streifte. „War das dein erstes Mal?“, fragte Jan schließlich. Fabian lachte. „Soll das ein Witz sein? Du bist nicht mein erster Lehrer.“ Als Fabian das erschrockene Gesicht Jans sah, fügte er noch schnell hinzu: „Das war ein Witz, OK? Aber nein, mein erstes Mal war das nicht. Aber bestimmt das schönste.“ Die Gesichtszüge seines Lehrers entspannten sich zusehends. „Und wie steht es mit dir? Ich meine, jetzt mal deine Frau nicht eingeschlossen.“ „Du willst wissen, ob ich schon mal was mit einem Mann hatte? Nicht direkt. Ich habe zwar schon gemerkt, daß ich nicht nur Frauen attraktiv finde, bin der Sache aber nie nachgegangen. Bis du gekommen bist.“ „Und, war es so schlimm?“, wollte Fabian wissen. „Schlimm? Es war einfach...überwältigend. Ich habe es mir immer ganz anders vorgestellt“, sagte Jan. „Das alles soll aber nicht heißen, daß ich meine Frau nicht liebe. Karin ist...ich liebe sie, aber ich begehre sie nicht mehr so, wie ich es früher getan habe. Bei dir ist es -“ „Umgekehrt. Keine Liebe. Nur Lust.“ „Ach, red doch keinen Unsinn“, sagte Jan, doch Fabian konnte an seiner Stimme hören, daß er recht hatte. „Ist ja auch nicht so wichtig. Wichtig ist, daß wir beide hier sind.“ „Ja.“ Einen Moment lang schwiegen beide wieder. „Warum habt ihr keine Kinder?“, wollte Fabian dann aber wissen. „Nun...ich weiß nicht, ob ich es dir erzählen sollte...“ Jan zögerte. „Sag‘s doch einfach.“ „Also, Karin kann keine Kinder bekommen.“ „Das tut mir leid“, sagte Fabian und es war ehrlich gemeint. „Naja, es ist nicht zu ändern. Wir haben die ganzen anderen Möglichkeiten schon durchgespielt, aber das ist alles nicht das Wahre. Sie hat Angst, daß ich sie eines Tages verlasse, weil ich Kinder haben möchte.“ An dieser Stelle hörte Jan auf, von der Sache zu sprechen, da er wohl gemerkt hatte, wie weit er sich geöffnet hatte. Auch Fabian wußte das. Er hörte auch auf zu fragen, da er Angst hatte, daß dann dadurch „alles“ kaputt gehen könnte. „Wann sehen wir uns wieder?“, fragte er statt dessen. „Ich weiß es nicht. Es ist alles so schwierig. Ich will dich wiedersehen, aber ich weiß nicht, ob und wann ich es einrichten kann.“ „Dann sollten wir diese Zeit jetzt nutzen.“ Fabian richtete sich auf, beugte sich über Jan und ließ sich schließlich auf ihn sinken. „Sag Bescheid, wenn ich dir zu schwer werde.“ „Sicher nicht“, sagte Jan und ließ sich von Fabian überall mit Küssen bedecken.
Mit einem Glücksgefühl im Bauch schloß Fabian später am Abend die Haustür auf. Zu seiner Überraschung brannte im Wohnzimmer noch Licht. Er betrat den Raum und fand seine Eltern vor dem Fernseher vor. „Ach, du läßt dich auch mal wieder blicken?“ Sein Vater sah ihn mit seinem strengen Blick an. „Wieso? Ich hatte doch gesagt, daß ich nicht weiß, wann ich wieder da bin.“ „Du sagtest, du würdest in die Stadt gehen. Du warst doch sicher später bei irgendeinem deiner Freunde. Du hättest wirklich mal anrufen können“, sagte Anne Sander. „Ja, ja, das nächste Mal mache ich das.“ Genervt ging Fabian aus dem Raum, die Treppe hoch in sein Zimmer. Er hatte keine Lust, sich von seinen Eltern seine gute Laune verderben zu lassen. Auf seinem Bett fand er Herkules schlafend vor. „Was machst du denn hier Rüde?“ Fabian setzte sich auf sein Bett und kraulte den Hund. Dieser wachte auf und fing an, Fabians Hand abzuschlabbern. „Nein, jetzt ist gut.“ Fabian gab dem Hund einen Klaps, so daß der träge von seinem Bett hopste und durch den offenen Türspalt entschwand. Fabian gähnte. Er war doch ziemlich müde und geschafft von dem ganzen Tag. Aber es ging ihm gut. Er hatte leider nicht mit Jan vereinbaren können, wann sie sich das nächste Mal außerschulisch treffen konnten, doch Fabian war zuversichtlich. Jetzt mußte er erst einmal schlafen. Schnell zog er sich um und legte sich in sein Bett. Schon nach kurzer Zeit fiel er in einen tiefen Schlaf.