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Fabian hatte sich vorgenommen, an diesem Mittwoch pünktlich zum Fußball
zu kommen. Er war sogar zehn Minuten zu früh dran, außer ihm standen
nur noch ein paar Jungen auf dem Sportplatz. Und natürlich Herr Teschner.
Er war sicher die Pünktlichkeit in Person, wie Fabian vermutete. Dann
wollte er auch nicht mehr durch Zuspätkommen glänzen. Als dann um
vier alle Spieler eingetroffen waren, konnte das Training beginnen. Aufwärmen,
dehnen, Torschüsse üben, Trainingsspiel. Auch dieses Mal versuchte
Fabian, sich ganz besonders anzustrengen. Leider litt er noch unter dem Muskelkater
von Montag, so daß er an diesem Tag nicht ganz so viel Einsatz zeigte
oder zeigen konnte. Aber er spielte trotzdem gut. Und am Sonntag würde
er bestimmt, mußte er wieder fit sein. Nach dem Training heute,
werde ich bestimmt gut schlafen können, sagte Matthias keuchend
zu Fabian. Ich auch. Das war hart, meinte auch Fabian. Sag
mal,, begann sein Mitspieler. Wollen wir uns mal irgendwann treffen?
Auf ein Bier? Was immer? Fabian überlegte. Er wurde ja momentan
von Angeboten geradezu bombardiert. Diese Woche wirds eng,
sagte er. Ich bin total verplant. Verstehe, sagte
Matthias mit spürbarer Enttäuschung in der Stimme. Er fand Fabian
nett. Er mochte ihn lieber, als die anderen Mannschaftsspieler. Das hatte
Fabian bemerkt. Und auch er fand ihn sympathisch, aber für mehr war keine
Zeit. Das Bandtreffen, Britta am Freitag, Ausruhen am Samstag und am Sonntag
das Spiel... Vielleicht nächste Woche, meinte Fabian aufmunternd.
OK, erwiderte Matthias. So, meine Herren, ab unter die Dusche!,
rief da Herr Teschner, der auf die beiden zukam. Alles klar! Matthias
joggte auf die Umkleidekabinen zu und ließ Fabian stehen. Du auch
Fabian, sagte der Trainer. Er stockte. Jetzt habe ich Sie aus
Versehen geduzt. Entschuldigung. Macht doch nichts!, wehrte
Fabian sofort ab. Sie duzen die anderen ja auch. Die sind
auch nicht in meiner Klasse. Aber auf dem Spielfeld ist das ja eigentlich
wirklich was anderes, sagte Herr Teschner daraufhin. Also, wenn
es Ihnen, dir nichts ausmacht... Gar nicht, meinte Fabian
und lächelte. Also, dann geh duschen und erhol dich gut für
das Spiel. Bis morgen! Herr Teschner lief in schnellen Schritten davon.
Ja!, rief Fabian ihm hinterher. Bis dann, fügte
er dann noch in leiser Lautstärke hinzu. Dann machte auch er sich auf
den Weg zu den Umkleiden.
Am Donnerstag Nachmittag ging Fabian also zu Harry um dort vorzusingen. Wie
er erfahren hatte, waren The Confused Stammband bei dem jährlichen
Musikabend der Schule. Das brachte doch wohl Publicity. Vorausgesetzt, Harry
und seine Band hatten den Blues oder was immer sie spielten. Fabian war sich
auf jeden Fall ziemlich sicher, daß sie ihn nehmen würden. Als
er nach der Schule Zuhause unter der Dusche stand, hatte er schon mal geübt.
Und auch Herkules war ein mehr oder weniger freiwilliger Zuhörer. Aber
er jaulte nicht, als Fabian ihm Bye Bye Love von den Beatles vorsang.
Und das war ein gutes Zeichen. Also machte sich Fabian selbstsicher wie immer
auf den Weg zu Harry. Der wohnte nicht allzu weit von ihm, nach zehn Minuten
fahren war er da. Er klingelte an der Tür des Neubaureihenhauses und
wartete geduldig, bis Harry öffnete. Hey, komm rein. Die anderen
sind auch schon da. Die anderen bekam Fabian zu Gesicht, als sie Harrys
Zimmer im 1. Stock betraten. Der Zustand des Raumes war mit dem Wort chaotisch
ausreichend beschrieben. Auf Stühlen, dem Fußboden und dem Bett
hockten noch drei andere Jungen seines Alters. Also. Das da ist Tim.
Harry zeigte auf einen langhaarigen Typen, der gerade damit beschäftigt
war, mit Sticks auf einen Bettpfosten einzudreschen. Hi, sagte
der. Der da, der lange, das ist Olaf alias Zugspitze. Er spielt Bass.
Der wirklich große Typ, der auf dem Boden saß, hob die rechte
Hand. Hallo. Und der Kerl auf dem Sofa, das ist Björn.
Er und ich spielen Gitarre. Akustik und E. Außerdem kann Björn
notfalls noch ans Keyboard, erklärte Harry abschließend.
Und das ist Fabian. Ich hab euch ja von ihm erzählt. Hey,
Leute!, sagte Fabian und schickte einen All Round Blick
durchs Zimmer. Wir wollen was hören!, grölte Tim. Gut.
Was denn? Fabian verschränkte die Arme vor der Brust. Öh...
Ja... Die vier Bandmitglieder sahen sich ratlos an. Sing
irgendwas Gutes. Ach wirklich. Fabian schnitt eine Grimasse.
Keine Vorschläge, meine Herren? Harry hob die Augenbrauen.
Tja...schlag du doch was vor, Pavarotti. Fabian überlegte.
Dann hellte sich sein Gesicht auf. Idee!, sagte er. Steht
ihr auf Oldies? Hey, Love me do und Stayin
Alive gehören zu unserem Pflichtprogramm!, antwortete die
Zugspitze. Gut. Ich hoffe, ihr habt keine Abneigung gegen
den Rocket Man. Elton John!, rief Björn und betonte
jede Silbe. Ich habe alle CDs! Super. Wunderbar. Dann kennt
ihr doch sicher den Song hier. Fabian räusperte sich und begann,
Crocodile Rock zu improvisieren. Für eine Improvisation war
die Vorführung inklusive wildem Herumgespringe und Grimassen schneiden
wirklich gut. Natürlich war der Gesang das wichtigste. Als Fabian fertig
gesungen hatte, starrten ihn alle an. Er sah irritiert in die Runde. Nicht
gut? Er verzog das Gesicht. Doch. Doch. Harry begann, wild
zu nicken. Du warst der beste von den bisherigen Bewerbern. Oh
ja, Alexander Neubauer gestern, furchtbar!, rief Tim. Aber du
warst gut. OK. Stimmen wir ab, schlug Harry vor. Wer
ist für diesen Virtuosen hier? Vier Hände hoben sich. Wer
ist dagegen?, fragte Olaf. Ha, ha, sehr witzig, Zugspitze.
Tim klopfte mit seinen Sticks auf Olafs Kopf. Au!, rief der Geschlagene.
Mein Dez! Gehirnzellen zerstören, Gehirnzellen zerstören!,
schrie Tim begeistert und drosch weiter auf seinen Kumpel ein. Welche
Gehirnzellen?, wollte Björn wissen. Ey, Jungs. Ihr habt sie
nicht mehr alle, meinte Fabian und schüttelte den Kopf. Jetzt
weiß ich, warum ihr Confused heißt. Du
gehörst jetzt auch dazu, meinte Harry. Wartet mal, hallo,
hört mal zu. Tim unterbrach seine Tätigkeit, Olafs Kopf als
Drums zu benutzen. Ja? Ich will jetzt aber auch mal was
hören. OK. Zeigen wir Pavarotti hier mal, was wir so drauf
haben. Kommt. Die Band folgte ihrem Leader Harry in den Keller des Hauses.
Dort hatten sie sich einen kleinen, schalldichten, oder fast schalldichten
Übungsraum aufgebaut. Dort wurden die ganzen Instrumente samt Verstärkern
gelagert. Die Jungs griffen sich ihre Instrumente und legten los. Sie spielten
ein Gemisch aus Metallica, den toten Hosen und ACDC. Kriegt ihr hier
keinen Hörschaden?, brüllte Fabian gegen die Lautstärke
an. Hä? Schon gut. Dann spielten die Jungs etwas
ruhigeres. Beatlesmäßig. Das gefiel Fabian schon besser. Die Jungs
hatten wirklich was drauf. Wahrscheinlich jahrelange Übung. OK,
OK. Ich habe genug gehört, wehrte Fabian dann ab, als Confused
zum dritten Mal loslegen wollten. Mir reichts für heute.
Ich geh nach Hause und schone mein Gehirn. Fabian klopfte gegen seinen
Kopf. Gut. Ich sag dir irgendwann mal Bescheid, wenn wir für den
nächsten Musikabend planen müssen, meinte Harry. Er begleitete
Fabian noch zur Haustür. Und sonst, jeden Donnerstag, gleiche Zeit,
gleicher Ort. Alles klar. Harry gab Fabian zum Abschied
förmlich die Hand. Senior Pavarotti, es hat mich gefreut, ihre
Bekanntschaft zu machen. Ich habe zu danken, Meister, sagte
Fabian demütig. Dann stieg er in seinen Wagen und fuhr davon.
Fabian sah auf seine Uhr und seufzte. Es war Freitag. Es war sechste Stunde.
Es war Geschichte. Und es waren noch ganze zehn Minuten, die die Schüler
vom Wochenende trennten. Fabians Augen fielen zu. Wochenende. Britta. Party.
Schlafen. Fußballspiel. Fabian öffnete seine Augen wieder und starrte
auf Herrn Becker, der vorne an der Tafel wie ein Wilder am gestikulieren war.
Fabian mußte grinsen und fragte sich, ob der Lehrer aus irgendeiner
geschlossenen Anstalt geflohen war und sich eingeschlichen hatte. Durch die
Klingel wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Endlich Wochenende!,
entfuhr es Fabian, der als erster aufgesprungen waren. Die anderen Schüler
stimmten ihm nickend zu und tauschten ihre Wochenendpläne aus. Als Fabian
die Klasse verlassen wollte, tippte Britta ihn an. Hey du, wann soll
ich heute vorbeikommen? Fabian überlegte. So gegen sechs?
Dann ist noch nicht soviel los. Britta nickte zustimmend. Bis
dann! Sie drückte dem überraschte Fabian einen flüchtigen
Kuß auf die Wange, bevor sie mit schnellen Schritten aus dem Klassenraum
ging. Na, die hat wohl einen Narren an dir gefressen, meinte Uli,
der sich an Fabian vorbei hinaus drängelte. Fabian erwiderte gar nichts.
Er machte sich statt dessen auch schnell davon.
Pünktlich um sechs Uhr klingelte Britta bei den Sanders und Fabian öffnete
ihr. Hallo, sagte sie und trat in das Haus ein. Wo ist der
Hund? Draußen, antwortete Fabian. Warte.
Er streckte den Kopf ins Wohnzimmer und rief aus der offenen Gartentür.
Herkules! Besuch! Nach einigen Sekunden war Herkules im Flur und
begrüßte Britta herzlich und fröhlich wie immer. Nach
draußen oder nach drinnen?, wollte Fabian wissen. Ist ja
schön warm, gehen wir raus, ja? OK, komm. Britta und
Fabian gingen durch das Wohnzimmer in den Garten. Dort bereitete die Mutter
gerade mit ihrer Haushaltshilfe eine große Essenstafel vor.
Ach, hallo!, begrüßte sie die beiden und kam lächelnd
auf sie zu. Guten Abend, Frau Sander: Britta gab Fabians Mutter
die Hand. Hallo. Was habt ihr vor?, wollte diese wissen. Fabian
zuckte mit den Schultern. Also, die Gäste kommen um sieben. Um
halb acht wollen wir Essen, das Büfett müßte bald kommen.
Leicht nervös sah sie auf die Uhr. Ihr könnt natürlich
mitessen. Das ist gut, meinte Fabian. Hoffentlich
geht alles glatt, sagte Anne Sander. Mach dir keine Sorgen, es
wird perfekt, ermutigte Fabian sie. Wenn du meinst... Sie
wandte sich wieder ihrer Aufgabe zu. Britta, Fabian und nun auch der Hund
schlenderten durch den Garten. Sonntag ist dein Spiel, bemerkte
Britta. Ich weiß. Und? Fit?, wollte sie wissen.
Na klar. Hoffentlich dann auch noch. Was ist eigentlich
mit der Confused Sache? Die Band? Sie nehmen mich,
erwiderte Fabian. Wirklich? Das ist toll, meinte Britta. Da
seid ihr auf dem Musikabend bestimmt wieder dabei. Schweigend wechselten
sie die Richtung und gingen auf das Haus zu. Willst du was trinken?,
wollte Fabian wissen. Britta nickte. Ja, gerne. Sie betraten das
Wohnzimmer und gingen in die Küche. Wasser? Cola? Saft? Wasser,
danke. Britta setzte sich auf einen der Hocker am Tresen. Viel
zu tun für deine Mutter, wie? Ja, aber sie macht es ja freiwillig,
antwortete Fabian und goß Mineralwasser in ein Glas. Sie liebt
Parties. Er gab Britta das Wasser. Danke. Sie nahm einen
Schluck. Und du? Du auch? Klar, Parties sind witzig. Wollen
wir hochgehen? Im Moment tobt hier ja noch nich so der Mop, bemerkte
Fabian. OK. Britta rutschte von dem Hocker und folgte Fabian nach
oben. In seinem Zimmer ließ sie sich auf das Sofa fallen. Endlich
mal ein Wochenende ohne lernen!, sagte sie erleichtert. Du hast
recht. Sag mal, wollen wir vielleicht ein Video gucken?, schlug Fabian
vor. Was hast du denn so?, wollte seine Besucherin wissen. Einiges.
Ein paar von Tarantino, Action, ein paar Komödien. Tin Cup, Two Much
und sowas. OK. Hast du Pulp Fiction? Englisch und
Deutsch, erwiderte Fabian. Oh, gut. Ich habe ihn noch nie im Original
gesehen. Also Pulp Fiction. Er kramte in seinen Videokassetten
und legte schließlich eine ein. Er setzte sich neben Britta und sie
starrten auf den Bildschirm. Sie sahen sich den Film zur Hälfte an, dann
wurden unten einige Stimmen laut. Wir sollten gleich mal runtergehen,
schlug Fabian vor. Gleich. Britta rückte ein wenig an Fabian
heran und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Fabian war überrumpelt.
Er saß ein paar Sekunden wie erstarrt da und versuchte, sich auf den
Film zu konzentrieren. Britta hatte ihren Kopf wieder angehoben und sah Fabian
an. Der wandte ihr langsam den Kopf zu und schaute ihr in die blauen Augen.
Er sah, wie ihr Gesicht sich seinem näherte, bis ihre Lippen schließlich
seine berührten. Er schloß seine Augen. Doch nach einer Weile löste
er sich aus dem Kuß. Hör mal.., begann er. Du...bist
wirklich total nett, ich habe dich sehr gerne - Britta rückte ab.
Aber mehr nicht. Ich verstehe, sagte sie mit Enttäuschung
in ihrer Stimme. Es liegt nicht an dir. Es ist einfach - Nein,
du brauchst mir nichts zu erklären, unterbrach sie ihn wieder.
Will ich aber. Ich mag dich. Aber nicht so. Als Freundin eben,
erläuterte Fabian. Das wäre auch so, wenn es ein anderes Mädchen
gewesen wäre. Willst du im Moment keine Beziehung oder so
was?, fragte Britta. Nein, das ist es nicht. Aber es liegt nicht
an dir. Glaub mir. Muß ich wohl. Sie seufzte traurig.
Was man macht, das macht man falsch. Du bist jetzt hoffentlich
nicht deprimiert oder so? Was sonst? Ich habe gedacht, es wird
schon alles klappen. Und dann das. Fabian legte den Arm um sie. Können
wir nicht einfach Freunde sein? Freunde. Wie in den Serien,
meinte Britta. Laß uns Freunde sein, heißt es da immer.
Aber es bleibt ja nichts anderes oder? Fabian schüttelte den Kopf.
Besser als gar nichts, meinte sie und sah ihn an. Oh nein.
Sag bloß..: Sie schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn.
Ich bin auch ein Blindfisch. Was meinst du?, fragte
Fabian irritiert. Du würdest lieber mit jemandem wie Uli ausgehen
oder? Fabian lächelte. Naja, er ist nicht gerade mein Typ,
aber... Die Richtung stimmt... Britta ließ sich tiefer
in die Kissen des Sofas sinken. Das ich das nicht bemerkt habe. Jetzt
ist alles klar. Es tut mir ja echt leid, aber - Er konnte
wieder nicht ausreden. Nein. Das ist OK. Ich meine, klar, ich hatte
mir schon Hoffnungen gemacht, aber das ist nicht zu ändern, nehme ich
an. Fabian zuckte mit den Schultern. Im Moment...vielleicht ist
es eine Phase oder so. Phase? Wenn du meinst. Sag mir Bescheid,
wenn die vorbei ist, OK?, sagte Britta. OK. Fabian lächelte
erneut. Britta sprang auf. OK. Jetzt bloß nicht durchhängen.
Sie reichte Fabian die Hand. Gehen wir was essen? Klar!
Er ließ sich hochziehen.
Am Samstag Morgen erwachte Fabian mit Kopfschmerzen. Das hatte ihm gerade
noch gefehlt! Hoffentlich war es keine Grippe, einen Tag vor dem Spiel. Sofort
dröhnte sich Fabian mit einigen Vitamintabletten zu und blieb im Bett.
Er brauchte sowieso ein wenig Ruhe. Der Abend gestern war ziemlich nett gewesen.
Fabian hatte aber nicht geahnt, daß Britta in ihn verliebt war. Natürlich
tat es ihm für sie leid, aber er konnte es ja auch nicht ändern.
Außerdem waren sie als Freunde bestimmt ein besseres Team, als als Paar.
Und heute konnte sich Fabian den ganzen Tag durch das Fernsehprogramm zappen.
Serien so weit das Auge reichte. Außerdem bekam er einen Anruf von Harry,
der ihn fragte, ob er vorbeikommen wollte. Aber Fabian fühlte sich nicht
genug motiviert, seinen Samstag mit den Verrückten von Confused zu verbringen.
Harry sah das ein, wünschte einen schönen Tag und ein gutes Spiel
für den Sonntag. Fabian dachte die ganze Zeit daran. Er hoffte, daß
er gut in Form war und wieder zeigen konnte, daß er gut war.
Nach dem unspektakulären, erholsamen Samstag folgte der Sonntag. Das
Fußballspiel stand an. Schon früh am Morgen erwachte Fabian mit
einer gewissen Aufregung im Bauch. Er stand sofort auf und nahm ein gesundes
Sportlerfrühstück zu sich. Um drei Uhr am Nachmittag sollte das
Spiel beginnen. Treffen um kurz vor halb. Viel zu früh packte Fabian
seine Sachen. Dann verbrachte er einige Zeit damit, seine Eltern verrückt
zu machen. Hoffentlich gab es keinen Regen! Was, wenn er auf der Treppe stolperte
und sich den Fuß verstauchte? Fabian hielt es für richtig, die
Bewegungen auf das Nötigste zu beschränken. Also setzte er sich
auf das Sofa im Wohnzimmer und versuchte, sich zu entspannen. Der Hund leistete
ihm Gesellschaft.
Um Punkt zwei Uhr fuhr Fabian mit dem Auto zum Sportplatz. Viel zu früh,
natürlich. Er war auch als erster da, ausgenommen von Herrn Teschner.
Hallo Fabian. Ziemlich früh oder?, sprach der seinen Spieler
an. Besser zu früh als zu spät, meinte Fabian. Richtig.
Dann kannst du dich ja schon mal umziehen, schlug der Trainer vor. Die
ersten Zuschauer kommen anscheinend auch schon. Er wies auf zwei Autos,
die auf dem Parkplatz hielten. Und unsere Gegner sind auch unterwegs,
ich habe mal den Trainer über sein Handy angerufen. Fabian nickte.
Ich geh dann mal. Das tat er dann auch. Er konnte sich mit dem
Umziehen viel Zeit lassen. Nach und nach trudelten dann auch seine Mannschaftskollegen
ein. Sie waren sich einig darin, daß sie Königslutter schlagen
würden. Fabian war sich dessen besonders sicher. Er fühlte sich
gut, die Grippe vom gestrigen Tag hatte sich als einfache Erschöpfung
erwiesen. Und jetzt ging es ihm ziemlich gut. Beim Aufwärmen legte er
auch gutes Tempo vor. Und er hatte gute Laune. Er hatte sich wirklich auf
das Spiel gefreut. Mit der Zeit füllten sich die Plätze auf den
Tribünen mit Zuschauern. Fabian erblickte zufällig Britta und Uli,
die ihm zuwinkten. Macht sie fertig!, rief Britta. Fabian nickte
ihr zuversichtlich zu. Dann rief Herr Teschner sie zusammen. So. Es
geht gleich los. Der Schiedsrichter ist endlich auch da. Taktik ist klar?,
fragte der junge Trainer. Alle bejahten die Frage. Wunderbar. Auf ein
gutes Spiel. Fabian lächelte ihm zu. Es würde ein gutes Spiel
werden. Die Mannschaft bezog Stellung auf dem Platz und begrüßte
die Gegner aus Königslutter. Der Schiedsrichter warf dann die Münze
und Königslutter durfte die Seite wählen. Dann konnte es losgehen,
es war Anpfiff. Fabian zeigte gleich vollen Einsatz. Er versuchte, sich jeden
Ball zu erspielen. Aber die andere Mannschaft war auch nicht schlecht. Sie
hatten gute Stürmer und auch die Verteidigung zeigte kaum Lücken.
Nach ein paar Minuten hatte Fabian eine aussichtsreiche Chance: Er hatte sich
in einem Zweikampf durchgesetzt und stürmte auf das gegnerische Tor zu.
Alles sah gut aus. Doch plötzlich spürte er eine Art Schlag. Er
geriet ins Stolpern und fiel schließlich auf den Boden. Sein Kopf schmerzte.
Außerdem hatte er einen faden Blutgeschmack im Mund. Er öffnete
seine Augen. Über ihm stand ein Spieler von Königslutter. Ich
hab ihn umgehauen, sagte der. Nach einer Weile sah Fabian auch den Schiedsrichter
über sich, der dem anderen Spieler die gelbe Karte zeigte. Außerdem
war Matthias da. Kannst du aufstehen? Ich versuchs.
Fabian hob den Kopf und spürte einen stechenden Schmerz im Nacken. Sofort
ließ er seinen Kopf wieder auf den Boden sinken. Es geht nicht.
Wo sind denn die Sanitäter? Jetzt war auch Herr Teschner
bei ihm. Ich weiß nicht. Ich habe sie noch nicht gesehen,
erwiderte Matthias. Komm, du mußt aufstehen. Ich hab meinen Erste
Hilfe Kasten in der Umkleide, sagte der Trainer. Matthias
half Fabian auf die Beine. Was tut dir weh?, wollte der Trainer
wissen. Mein Kopf. Mein Nacken, antwortete Fabian gequält.
Komm. Ganz langsam. Herr Teschner und Fabian gingen auf die Umkleidekabine
zu. Spielt weiter!, rief der Trainer den anderen Spielern zu.
Fabian warf einen Blick auf die Tribüne und sah Britta und Uli mit besorgten
Gesichtern. Dann betraten sie die Umkleide. Der Trainer räumte eine Bank
frei. Leg dich hier hin. Fabian tat wie ihm geheißen und
ließ sich ein Handtuch als Kissen unter den Kopf legen. Ich bin
gleich wieder da. Der Trainer verschwand in einem Nebenraum. Fabian
starrte an die Decke. Gerade heute mußte so ein Trampel ihn umrennen.
Ihm wurde schwindlig, also schloß er die Augen. Als Herr Teschner wiederkam,
öffnete er sie wieder. Sein Trainer tränkte einen Tupfer in Alkohol.
Dann berührte er damit vorsichtig die verletzte Stelle an Fabians Mund.
Der gab einen kurzen Schmerzenslaut von sich, denn der Alkohol brannte höllisch.
Herr Teschner hatte einen Ausdruck auf dem Gesicht, der sagen wollte Es
tut weh, aber da mußt du durch. Fabian blickte auf die Hand seines
Trainers. Nach einem kurzen Zögern legte er seine Hand auf die von Herrn
Teschner, die immer noch damit beschäftigt war, den Tupfer auf die Wunde
zu pressen. Der überraschte Blick des Trainers traf Fabians für
einen Moment. Nach einer Weile zog er seine Hand unter der seines Spielers
hervor. Das sollte reichen, sagte Herr Teschner mit Verlegenheit
in seiner Stimme. Fabian sah ihn an, doch der Trainer erwiderte seinen Blick
nicht. Du solltest wohl besser nicht mehr spielen, sagte dieser
statt dessen nüchtern. Ich habe noch einen Ersatz. Fabian
nickte enttäuscht. Willst du nach draußen auf die Bank?
Wieder nickte Fabian. Dann komm. Der Trainer verließ den
Raum und ließ Fabian zurück. Einen Augenblick lang blieb Fabian
verwirrt liegen. Er wußte gar nicht, was los war. Statt weiter nachzudenken,
stand er mühsam auf und folgte Herrn Teschner. Langsam ließ der
Schmerz in seinem Kopf nach. Aber er spürte einen anderen Schmerz, einen
Stich an der Stelle, wo sein Herz saß. |