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| Gays treffen 4 |
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Am folgenden Dienstagmorgen kam Fabian nur schwer aus den Federn. Seine Knochen
schmerzten und seine Muskeln spannten im ganzen Körper. Außerdem
war ihm, als würde jemand ständig mit einem Vorschlaghammer auf
seinen Kopf einschlagen. Aber es half alles nichts. Er stand also ächzend
aus seinem Bett auf und reckte sich. Im Schneckentempo zog er sich an und
erledigte die üblichen Badezimmer Angelegenheiten. Dann ging er
ins Erdgeschoß, um mit seinen Eltern das Frühstück einzunehmen.
Er mußte sich dann ziemlich sputen, da es schon zwanzig vor acht war.
Natürlich würde er zu spät kommen, daß wußte Fabian
schon, als er das Grundstück mit dem Wagen verließ. Uns tatsächlich:
Als er an der Schule ankam war es bereits kurz nach acht. Der Unterricht hatte
gerade begonnen. Fabian beeilte sich, um sich nicht noch mehr zu verspäten.
In den ersten beiden Stunden konnte er seine Begabung in Mathe testen, dieses
Fach bei Frau Altmann stand auf dem Programm. Die Frau war alles andere als
alt, gerade mal Anfang dreißig, dynamisch und temperamentvoll wie ein
Wirbelwind, das sollte Fabian schnell merken. Als er an der Tür zum Klassenraum
klopfte, wurde diese kurz darauf von Harry geöffnet, der gerade etwas
zum Papierkorb gebracht hatte und den Zuspätkommer empfangen konnte.
Fabian war froh, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Frau Altmann unterbrach ihre
Tätigkeit, eine Aufgabe zu erklären, um Fabian zu begrüßen.
So, Sie sind dann wohl Fabian Sander. Wie ich hörte, Experte im
Zuspätkommen. Die Schüler schmunzelten. Entschuldigen
sie, es wird nicht mehr vorkommen, sagte Fabian. Schon gut, nicht
so tragisch, wenn es bei dem einen Mal bleibt. Es gibt da noch ganz andere,
nicht wahr, Jan? Frau Altmann nickte einem Jungen in er ersten Reihe
zu, der sie angrinste aufgrund der Bemerkung. Sie halten den ungeschlagenen
Rekord. Aber jetzt wieder zurück zu unserem Versuch, sagte die
Lehrerin. Fabian, setzen Sie sich doch in die dritte Reihe dort rechts.
Neben Imke. Fabian nickte und bezog den angewiesenen Platz neben dem
Mädchen, das ihn freundlich ansah. Hey. Ich bin Imke. Das weißt
du ja schon, sagte sie. Ich bin Fabian. Aber das weißt du
ja auch schon. Er grinste. Ich denke, du kommst hier zurecht.
Es ist einfach. Ja, es wird gehen, danke. Fabian starrte
auf die Tafel und machte sich daran, das Angeschriebene in sein Heft zu übertragen.
Dann hörte er eine Weile konzentriert zu. Doch dann fiel ihm ein, was
Uli und Britta gestern gesagt hatten: Harry war es doch gewesen, der eine
Band hatte. Und jetzt, da er in dem gleichen Kurs war, wie er und direkt vor
ihm saß, konnte er ja mal anfragen. Also riß er ein Blatt aus
seinem Heft und schrieb darauf die Frage, ob Harry und seine Confused - Leute
immer noch einen Sänger bräuchten, er würde sich da anbieten.
Dann faltete er das Briefchen zusammen und warf es im passenden Moment bei
seinem Vordermann auf den Platz. Als Harry sich umdrehte und Fabian fragend
ansah, nickte der ihm zu. Daraufhin machte sich Harry daran, den Zettel zu
lesen. Er kritzelte einige Worte darauf und gab ihn an Fabian zurück.
Ja, eigentlich schon. Wenn du singen kannst...Wir spielen alte Sachen
und schreiben auch selber. Kannst ja mal zum Bandtreffen kommen, Donnerstag
um drei bei mir. Darunter hatte Harry noch seine Adresse aufgeschrieben.
Der drehte sich auch noch einmal um, und als Fabian ihm wieder ein Zeichen
als OK gab, widmeten sich beide wieder der höheren Mathematik. Fabian lag gerade auf seinem Bett und las in einem Buch über die sexuelle Revolution, als sein Telefon klingelte. Er legte den Lesestoff beiseite und nahm den Hörer von seinem Siemens Telefongerät schwarz ab. Fabian Sander, meldete er sich gewohnheitsmäßig. Hallo, hier ist Britta!, meldete sich die Stimme am anderen Ende. Oh, hallo. Fabian sah aus dem Fenster auf den Garten, wo seine Mutter in einem Liegestuhl am Pool lag. Ich wollte fragen, ob das mit Freitag klar geht. Ach du je, das habe ich ganz vergessen, sagte Fabian wahrheitsgemäß. Aber ich kann fragen, wartest du kurz? Nee, ich lege jetzt sofort auf, sagte sie mit ernster Stimme. OK, Moment mal! Fabian legte den Hörer beiseite und öffnete eines der zwei Fenster vor ihm. Mama!, rief er seine Mutter. Die drehte sich zu ihm um und nahm ihre Sonnenbrille ab. Was denn? Kann Britta am Freitag vorbeikommen? Auch wenn ihr hier fetet? Warum nicht!, erwiderte Frau Sander mit einem erfreuten Ausdruck auf dem Gesicht. Danke. Fabian schloß das Fenster und nahm den Hörer wieder zur Hand. Hallo? Hallo. Also, das geht klar. Cool!, freute sich Britta. Soll ich dann noch irgendwas mitbringen oder...? Das regeln wir alles noch in der Schule, OK? Alles klar. Und, was machst du so? Ich lese, gab Fabian knapp zurück. Der Autor beschäftigt sich mit der sexuellen Revolution und ihren Folgen für Gegenwart und Zukunft. Klingt ja sehr spannend, meinte Britta wenig begeistert. Naja, Medium. Naja...dann sehen wir uns wohl morgen, wie? Hm-hm, gab Fabian als Zustimmung zurück. Er war gerade damit beschäftigt, seine Heizung mit Bleistift anzumalen. Das war seine Macke, wenn er telefonierte. Dann brauchte er immer etwas zum rumkritzeln. Gut. Dann schönen Dank noch. Danke dir auch. Tschüs denne. Britta legte auf und auch Fabian plazierte den Hörer auf dem Basisgerät. Dann legte er sich auf den Rücken in sein Bett zurück und starrte die Decke an, statt weiterzulesen. Fabian schubste das Buch mittels einer kleinen Handbewegung von der Bettdecke, so daß es leicht zerfleddert auf dem Fußboden landete. Seine Augen schlossen sich unwillkürlich. Er konnte sie einfach nicht mehr offenhalten. Gerade dachte er daran, daß es wohl besser wäre, heute früher ins Bett zu gehen. Da war er aber auch schon eingeschlafen. Fabian wachte auf, als seine Mutter das Zimmer betrat. Na, Schlafmütze?
Fabian gähnte. Wie spät ist es? Kurz nach sechs,
erwiderte seine Mutter. Kannst du mit dem Hund gehen? Der spielt schon
ganz verrückt. Fabian nickte und streckte sich. Hast du Hunger?
Willst du vorher noch was essen?, wollte Anne Sander fürsorglich
wissen. Nein laß mal. Florian stand auf. Wo ist der
Rüde? Im Wohnzimmer, bei Papa. Fabian warf einen prüfenden
Blick aus dem Fenster. Das Wetter sah gut aus, keine dicken Wolken, Sonne.
Frische Luft würde gut sein. Frische Luft wird dir gut tun,
sagte seine Mutter. Genau das habe ich auch gerade gedacht. Die
beiden verließen das Zimmer und gingen ins Erdgeschoß, dann betraten
sie das Wohnzimmer. Sogleich sprang Herkules von dem Sofa, auf dem er bis
eben gesessen hatte. Er weiß ganz genau, was jetzt kommt,
bemerkte Herr Sander, der auf dem anderen Sofa saß und ein Fußballspiel
im Fernsehen sah. Wer spielt?, wollte sein Sohn wissen, während
er den erfreuten Rüden anleinte. Juventus gegen Bayern, erwiderte
sein Erzeuger. Hoffentlich gewinnt Juventus. Fabian grinste. Was?
Bayern muß gewinnen!, widersprach sein Vater. Ach was. Ich
gehe jetzt. Das tat Fabian dann auch. Er ließ sich von dem Hund
durch die Haustür, vom Grundstück, auf die Straße ziehen.
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