Gays treffen 2

Nach zwei wirklich entspannenden Stunden Kunst begab sich Fabian sofort zum ausgemachten Treffpunkt, wo Britta und Uli ihn schon erwarteten. „Ich stehe unten auf dem Schülerparkplatz“, sagte Fabian zur Begrüßung. „Kommt ihr?“ „Klar.“ Unten auf dem Parkplatz ging Fabian schnurstracks auf einen Mercedes zu, ein Cabrio. „Wow, ist das deiner?“, staunte Uli. „Naja, ich teile ihn mit meiner Mutter. Heute braucht sie ihn nicht“, erwiderte Fabian und schloß das Gefährt auf. „Hast du keine Angst, daß er dir geklaut wird?“, wollte Britta wissen. „Eigentlich nicht. Steigt ein.“ Die drei ließen sich in die Ledersitze sinken und brausten los.

Das Haus der Sanders lag am Rand von Braunschweig. Es war kein Haus, eher eine zweistöckige Villa mit einem Garten, wie gemacht für Grillparties im Sommer. Fabians Vater war der Besitzer einer Kaufhauskette mit Filialen in ganz Deutschland und einigen im Ausland. Daher konnte er sich ohne Probleme dieses Anwesen leisten. Nach kurzer Fahrt kamen die drei Schüler bei dem Haus an. Mit einem kurzen Knopfdruck auf einer Fernbedienung betätigte Fabian das weiße Metalltor, das dann den Weg auf die Hauszufahrt freigab. Aufmerksam betrachteten Britta und Uli das ebenfalls weiße Gebäude, dem sie sich näherten. Fabian parkte den Wagen vor der Garage und sie stiegen Haus. „Willkommen bei den Sanders“, sagte Fabian. „Wirklich eine bescheidene Hütte“, meinte Uli. „Stimmt. Unser Haus in Berlin war größer.“ Fabian grinste. „Kommt schon gehen wir rein.“ Fabian schloß die Haustür auf und sie betraten den „Flur“: Eine hohe Eingangshalle mit einer breiten Treppe, die in den ersten Stock führte und einigen Durchgängen zu Räumen im Erdgeschoß. Uli und Britta sahen sich immer noch beeindruckt um, als auf einmal ein kläffendes Etwas die Treppe hinunter gestürmt kam. Es war ein kleiner wuscheliger Yorkshire Terrier. „Ja, Herkules, da bist du ja mein Süßer!“ Fabian nahm den kleinen Hund auf den Arm und knuddelte ihn kurz, dann ließ er ihn wieder herunter. „Schau, Rüde, Besuch.“ Der Hund lief auf Britta und Uli zu, sprang fröhlich an ihnen hoch und schlabberte ihre Hände ab, als sie ihn streichelten. „Der ist ja süß.“ Die beiden waren ganz angetan von dem kleinen Tier. „Herkules ist aber ein komischer Name für so einen kleinen Hund“, bemerkte Uli. „Warte ab, bis er mit dir spielt. Du liegst im Handumdrehen auf dem Boden“, mahnte Fabian. Uli lachte. „Das soll er mal versuchen.“ Der Hund schnüffelte noch einmal an den beiden Gästen, dann lief er durch einen der Durchgänge davon. „Ja, Herkules, du bist ja ganz aufgeregt!“, sagte eine Frauenstimme, die auch aus der Richtung zu kommen schien, in die der Hund verschwunden war. „Was ist denn mit dir?“ Kurz darauf kam eine modisch gekleidete Frau um die 45 aus dem Durchgang, mit dem Hund auf dem Arm. „Ach Fabian! Ich hab dich gar nicht kommen hören!“ Die Frau trat auf die drei zu. „Oh, du bringst Besuch?“ „Das sind Britta und Uli“, stellte Fabian seine Gäste vor. „Und das ist meine Mutter, Anne Sander.“ „Freut mich.“ Fabians Mutter gab den beiden die Hand. „Wollt ihr was essen?“ Die drei sahen sich an. „Gerne. Oder was sagt ihr?“ „Da sag ich nicht nein.“ Uli grinste. „Ich wäre vorsichtig“, meinte Britta. „Der ist ganz schön verfressen.“ „Ist ja genug da“, sagte Anne Sander. „Am besten, ihr eßt in der Küche. Frau Schütz ist nämlich noch oben in deinem Zimmer.“ Anne Sander ging durch den Durchgang zurück, der in die besagte Küche führte. „Ich habe doch gesagt, ich will das nicht!“, rief Fabian ihr hinterher. Dann wandte er sich an seine Besucher. „Unserer russische Haushaltshilfe“, sagte Fabian zur Erklärung. „Mein Mutter will nicht, daß ich Putze sage.“ Die drei grinsten. Dann führte Fabian sie in die geräumige Küche. Wie auch schon die Eingangshalle, war sie ganz in schwarz und weiß gehalten. „Setzt euch.“ Fabian wies auf zwei Hocker am Küchentresen. „Was hast du zu essen, Mama?“, fragte der 18–jährige. „Ich habe ein paar Steaks für euch in die Pfanne gehauen. Dazu Gemüseauflauf. Ich bin nämlich Vegetarierin“, erklärte Fabians Mutter. „Das könnt ich nicht, ohne Mc Doof.“ Uli schüttelte den Kopf. „Ich auch nicht“, stimmte Fabian ihm zu. „Ich aber. Ich verzichte dann auf mein Steak“, sagte Britta. „Vernünftig“, sagte Anne Sander anerkennend. „Lassen wir die Jungs das tote Fleisch essen.“ „Mama!“, sagte Fabian genervt. „Nicht wieder das.“ „Wieso? Es stimmt doch. Ich esse nichts, was mal eine Mutter gehabt hat“, erklärte Frau Sander. „Dafür...“ „Esse ich den Tieren das Futter weg, ich weiß.“ Fabian seufzte. „Ich weiß, daß du weißt.“ „Laßt euch das Essen aber nicht von mit verderben“, bat seine Mutter. „Das will ich ja auch nicht.“ Sie warf einen Blick auf die brutzelnden Fleischstücke in der Pfanne auf dem Herd. Vor disem saß der Hund und sah sehnsüchtig nach oben, in der Hoffnung, daß vielleicht etwas von dem leckeren Essen herunterfallen würde. „Ja, Herkules, das ist für die Kinder hier. Aber vielleicht gibt dir jemand etwas ab.“ „Er kann ja mein Steak haben“, schlug Britta vor. „Das vergißt er dir nie“, warf Fabian ein. „Das ist ja Bestechung“, meinte Uli. „Ich vertraue mal darauf, daß der Hund mich auch so mag.“ „Wenn du mit ihm spielst bestimmt“, sagte Fabian zuversichtlich. „So, das Fleisch ist fertig.“ Anne Sander füllte das Fleisch mit etwas von dem Gemüseauflauf auf die Teller und gab sie den Jungen. Britta reichte sie einen Teller nur mit dem vitaminreichen Auflauf. „Guten Appetit. Ich hoffe, es schmeckt.“ „Danke schön“, sagten Britta und Uli. „Schon gut. Wie war denn ein erster Tag heute, Fabian?“, fragte Frau Sander ihren Sohn. „Gut“, erwiderte der. „Ich gehe heute Nachmittag zum Fußballtraining. Mein Deutschlehrer macht da den Hobbytrainer und sieht sich mal an, wie ich spiele.“ „Toll, wäre ja schön, wenn du hier wieder spielen kannst“, sagte seine Mutter. „Ihr entschuldigt mich jetzt. Ich habe noch zu arbeiten.“ Mit diesen Worten verließ Frau Sander die Küche. „Also, was dein Vater macht, weiß ich schon von Britta. Was arbeitet denn deine Mutter?“ wollte Uli wissen. „Sie ist Anwältin in einer Kanzlei. Sie ist gut, deshalb hat sie hier auch eine gute Stelle bekommen“, erwiderte Fabian. „Und nett ist sie auch noch“, meinte Uli. „Danke schön. Ja, ich komme gut mit ihr aus. Und mit meinem Vater auch.“ „Hast du noch Geschwister?“, wollte Britta wissen, die gerade eifrig damit beschäftigt war, Herkules mit dem verbliebenen Steak zu füttern. Fabian schüttelte den Kopf. „Ich bin das typische Beispiel eines verwöhnten Einzelkindes.“ „Dafür aber ganz umgänglich“, meinte Britta. „Wir kennen da noch ganz andere, ne, Uli?“ „Und wie“, meinte der Angesprochene mampfend. Fabian warf einen Blick auf den Yorkshire Terrier. „Wenn er soviel frißt, muß er nachher aber viel laufen. Sonst wird er zu fett, wenn alle ihn so verwöhnen.“ „Ich spiele nachher mit ihm. Wenn ich darf.“ Uli legte sein Besteck beiseite. „Klar. Mensch Rüde, du hast es aber gut heute, was?“ Fabian kraulte den Hund hinter den Ohren. Der knurrte allerdings etwas, weil er schließlich mit seinem Steak beschäftigt war. „Wenn ihr hier fertig mit Essen seid, dann können wir ja kurz raus gehen, mit dem Hund, in den Garten.“ „Also, ich bin fertig“, meinte Britta. „Ich auch“, stimmte Uli ebenfalls zu. „Tja, nur die Töle hier wird nicht fertig.“ Der Hund sah auf, als hätte er verstanden. Dann widmete er sich wieder seinem Fleisch. Nach einigen Minuten war auch der Rest davon verschwunden. „Gut. Dann mal raus. Komm Herkules, spielen!“ Der Rüde bellte kurz und rannte aus der Küche. „Der hat aber ‘n Zahn drauf“, meinte Uli, als er und Britta Fabian durch den anderen Durchgang der Eingangshalle ins Wohnzimmer folgte. Es war für dieses Haus angemessen groß, modern eingerichtet und beherbergte die neuesten Errungenschaften der Technik. Aber Fabian und seine Begleiter steuerten auf eine Terrassentür zu, die zur selben führte. Sie betraten also den Garten. Wieder kamen Uli und Britta aus dem Staunen nicht heraus: Der Garten bestand aus einer großen, gepflegten Rasenfläche, an dessen Rand große Büsche und Bäume die Sicht auf die Nachbarhäuser verdeckten. Blumenbeete säumten einen Weg, der sich durch den gesamten Garten schlängelte. Ein kleiner künstlich angelegter Bach führte in einen Teich am hinteren Ende des Geländes. Das Herzstück des Gartens war ein geräumiges Schwimmbecken, ziemlich in der Mitte der Rasenfläche. „Das ist kein Garten, das ist ein Park!“, meinte Uli und schüttelte den Kopf. „Hübsch, oder?“ „Hier kannst du ja Poolparties machen“, schlug Britta vor. „Habe ich auch vor. Wenn ich Geburtstag habe, Ende Juli“, bestätigte Fabian. „Mann, ich fühle mich wie ein Weib vom Jet Set“, sagte Britta. „Kann man bei euch einheiraten?“ Fabian lachte. „Ich weiß nicht.“ Er beobachtete Herkules, der über die Blumenbeete peste und kräftig Sand aufwühlte. Nach einer Weile machte er sich daran, eine Blume auszugraben und auf ihr herumzukauen. „Fabian!“, ertönte auf einmal die schockierte Stimme seiner Mutter aus einem Fenster im ersten Stock. „Hol den Hund da weg! Er zerstört die Beete!“ „Is ja gut!“, meinte Fabian. „Los Uli. Deine Aufgabe.“ „Was, ich?“, fragte der Angesprochene entgeistert. „Ja. Tu mal was Gutes.“ „Ich versuch‘s.“ Uli näherte sich langsam dem Hund. Der sah von seiner Pflanze auf und knurrte ihn an. Als er merkte, daß Uli es ernst meinte, wetzte er los. Er ließ sich von Uli durch den ganzen Garten jagen, zur Freude der beiden Zuschauer Britta und Fabian. Nur dessen Mutter war gar nicht begeistert. „Stoppt den Köter doch endlich!“ Doch der „Köter“ dachte ja gar nicht daran, aufzuhören. Er lief nur noch schneller. Nach ein paar Minuten gab Uli auf und ließ sich auf das Gras fallen. Schon war Herkules bei ihm und hüpfte angetan auf dem Wehrlosen herum. „Was habe ich gesagt? Schon liegst du auf dem Boden. „Ich gebe mich geschlagen.“ Uli streichelte den erfreuten Hund. „Guter Junge.“ „Jetzt komm aber, Herkules.“ Fabian befreite Uli von dem Rüden. „Du kannst doch nicht einfach auf irgendwelchen Leuten herumtrampeln.“ Herkules war gar nicht begeistert, daß sein Spiel abgebrochen wurde und strampelte ziemlich herum. „Nix is, Töle. Jetzt geht’s erst mal wieder rein.“ Fabian drehte sich zu seinen neuen Freunden um. „Kommt ihr? Ich kann euch jetzt mein Zimmer zeigen. Unsere Haushaltshilfe wird wohl fertig sein.“ „Oh ja, das will ich jetzt aber auch sehen.“ Die drei gingen wieder ins Haus. Dort führte Fabian sie in den ersten Stock, wo sich sein Zimmer befand. Er öffnete eine Tür und die Sicht wurde frei auf ein „jugendgerecht“ eingerichtetes Zimmer: Eine Sitzgruppe bestehend aus Sofa, Sessel und Beistelltisch befand sich neben einem großen Doppelfenster, vor dem das Bett aufgestellt war. Sonst gab es in Fabians Zimmer noch einen Tisch auf dem ein Computer thronte, der aber wohl eigentlich als Schreibtisch gedacht war, ein hohes Bücherregal, ein Regal, in dem ein Fernseher inklusive Videorecorder stand und ein Kleiderschrank. Neben Fabians Bett stand noch ein Nachttisch mit Stereoanlage. Die Wände waren weiß, die Möbel alle in Schwarz gehalten. „Der Luxus hört wohl nie auf, wie?“ Uli seufzte. „Hier paßt mein Zimmer ja zweimal rein.“ „Na und? Klein aber fein. Sagt man doch, oder?“, bemerkte Fabian und ließ sich auf sein Bett fallen. „Haut euch irgendwo hin. Sofa oder so.“ Die beiden nahmen das Angebot gerne an. „Spielst du?“ Uli wies auf eine Gitarre, die am Kleiderschrank lehnte. „Ab und zu. Aber ich singe lieber“, erwiderte der Sander – Sproß. „Echt? Sucht Harry nicht noch’n Sänger für seine Band? Christoph ist doch ausgestiegen“, wandte sich Britta an Uli. „Ich glaube schon“, antwortete der. „Ehrlich?“ Fabian wurde neugierig. „Harry hat eine Band?“ „Ja, sie heißen „The Confused“. Kannst ihn ja mal drauf ansprechen“, schlug Britta vor. „Das werde ich tun.“ „Hey, stehst du auf New Model Army?“, fragte Uli, der gerade damit beschäftigt war, einen Stapel CDs zu durchforsten. „Ja, alles so’n Kram“, bestätigte Fabian. „Ich finde die auch total geil.“ „Schmeiß rein, wenn du willst.“ Also tat Uli die CD in die Stereoanlage. „Wie spät ist es?“, wollte Britta wissen. „Kurz vor drei. Hm. Ich sollte mal meine Sachen packen.“ Fabian stand auf und öffnete den Kleiderschrank. Sofort fielen ihm einige Kleidungsstücke entgegen. „So ist das. Kaum ist man eingezogen, schon gibt’s Unordnung. Unten stehen immer noch Umzugskartons rum. Die sollte mal langsam jemand auspacken“, murmelte Fabian. Er zog ein knappes weißes Shirt heraus und warf es auf sein Bett. Außerdem eine Sporthose, Turnschuhe und ein T-Shirt zum Wechseln. Diese Sachen stopfte er in einen Rucksack. Dann ging er zu seinem Bett und zog sein schwarzes Shirt über den Kopf. Britta pfiff durch die Zähne, als sie Fabians trainierten Oberkörper sah. „Kein Gramm Fett, wie? Der deutsche Peter Andre.“ „Man tut, was man kann.“ Fabian streifte sein weißes Oberteil über. „Hübsches Piercing“, bemerkte Uli. „Ja?“ Fabian zog sein Shirt ein wenig hoch und drehte den Ring in seinem Bauchnabel. „Ich glaube, Harry fand es merkwürdig.“ „Wieso, der hat doch selber eins“, sagte Uli. „Ja, aber sonst haben das doch nur Mädchen an der Stelle“, erklärte Britta fachmännisch. „Jeder, wie er will“, meinte Uli daraufhin. „Genau.“ Fabian setzte sich wieder auf seine Schlafstätte. „Ich sollte echt mal ‘ne Party machen. Nur so. Als Einstand.“ „Aber du kennst noch nicht so viele Leute hier oder?“ „Ja, ich meine ja auch erst, wenn ich mich hier etwas eingelebt habe. Na gut, dann ist schon bald mein Geburtstag“, grübelte Fabian. „Und zwar wann?“, wollte Britta wissen. „27. Juli.“ „Mitten im Sommer“, sagte Uli neidisch. „Ich hab im November. Herbst ist doch echt die beschissenste Jahreszeit.“ „Beschwer dich bei deinen Eltern“, schlug Britta vor. „Sollte ich auch mal tun. Ich hab im Februar.“ „Tja. Was wollten wir jetzt machen?“, wollte Fabian wissen. Seine Gäste hoben unwissend die Schultern. „Wir haben ja noch fast eine Stunde. Wollen wir noch ein bißchen rumfahren und irgendwo ein Eis essen?“, schlug Fabian vor. „Das ist eine gute Idee“, stimmte Britta zu. „ich könnte ein Eis vertragen.“ „Ich auch“, meinte Uli. „Ihr kennt euch hier ja aus“, sagte Fabian und stand auf. „Dann kommt und lotst mich zu einer guten Eisdiele!“