Gay Treffs 5
„Kinder! Bei dem hackts wohl.“ Mark ließ sein Englischbuch auf den Boden fallen. „Aber dein Dad ist wenigstens nicht so verklebt im Kopf wie meiner.“ David streckte sich auf dem Fußboden aus. „Wenn du das sagst.“ Mark legte sich neben David. „Also, Englisch, wie?“ David studierte das Englischbuch und merkte nicht, daß Mark ihn um so genauer studierte. Erst nach einer Weile sah er zur Seite. „Was?“ David sah ihn fragend an. „Hab ich Bretze irgendwo?“ Mark schüttelte den Kopf. „Ich guck dich nur an.“ „Hm.“ David versuchte sich wieder dem Buch zu widmen. Nach kurzer Zeit sah er Mark wieder an, der ihn immer noch anstarrte. „Sag mal, wie soll ich denn da arbeiten, hm?“ Mark hob die Schultern. „Ich weiß nicht.“ Marks Blick fixierte Davids Mund. David wurde unruhig. Mark kam näher. David konnte schon seinem Atem spüren, als plötzlich die Tür aufging und Mark zurückschreckte. Es war seine Mutter. „Entschuldigt die Störung, aber ich wollte fragen, ob es recht ist, wenn wir erst heute abend richtig essen?“ „Ja, ja, wir müssen jetzt arbeiten!“, sagte Mark genervt. „Bin ja auch schon weg. Aber: Anderer Ton, mein Sohn.“ Schon war seine Mutter wieder verschwunden. „Ich glaube, wir sollten jetzt Hausaufgaben machen.“, schlug David vor. „Ja, anscheinend sollten wir das.“ Mark seufzte. „Also Englisch.“
„Oh man, muß deine Mutter immer so gut kochen, sag mal?“ David ließ sich auf Marks Bett sinken. „Ja, muß sie.“ Mark fiel wie ein Sandsack auf die andere Seite des Bettes. „Mußt du soviel essen?“ „Ja, Herr Schlaumeier!“, sagte David und knuffte Mark ein wenig. „Zufällig muß ich noch groß und stark werden.“ „Grr.“, knurrte Mark. Er tastete an der Wand herum. Auf einmal ging das Licht aus. „Stromausfall?“, fragte David unwissend. „Schon mal was von Lichtschalter gehört, Herr Besserwisser?“ Das Zimmer wurde jetzt nur noch vom Mond erhellte, der ausnahmsweise von einem klaren Himmel schien. Trotzdem konnte David noch einigermaßen gut sehen. Zumindest sah er, das Mark sich über ihn beugte. „Was hast du vor?“, fragte er mit klopfendem Herzen. Da küßte Mark ihn auch schon sanft auf den Mund. Eigentlich wollte David etwas sagen, ließ es aber dann doch bleiben. Er erwiderte Marks Küsse und strich ihm durch die Haare. „Was ist, wenn jemand reinkommt?“, fragte David dann aber doch. „Kommt keiner.“, sagte Mark und küßte David weiter. „OK.“ Nach einer Weile lagen sämtliche Kleidungstücke der beiden auf beiden Seiten neben dem Bett verteilt. Und, irgendwie, war das für David das erste Mal.
Als David die Augen öffnete, war es bereits kurz vor sieben. Es dauerte eine Weile bis er sich erinnerte, was letzte Nacht passiert war. Er sah neben sich. Er lag nur noch alleine im Bett. Mark war anscheinend schon aufgestanden. Und das tat David jetzt auch. Er erhob sich und machte seinen Weg ins Badezimmer. Auch dort war Mark nicht. Er zuckte mit den Schultern, wusch sich dann und kämmte seine kurzen Haare durch. Dann zog er sich noch an und ging schließlich runter. Die Familie war schon zu Frühstück versammelt. Auch Mark saß am Tisch im Eßzimmer. „Guten Morgen.“, sagte David. Mark sah kurz auf, dann senkte er den Kopf wieder. „Guten Morgen.“, erwiderten Marks Eltern seinen Gruß. „Na, schweren Tag heute?“, fragte Frau Stern die beiden Jungen. „Es geht.“, antwortete Mark relativ leise. Das war es dann auch mit Konversation, der Rest des Essens wurde schweigend eingenommen. Dann machten sich David und Mark auf den Schulweg. Da Mark nach der Hälfte des Weges immer noch nichts gesagt hatte, begann David zu sprechen. „Hey, alles in Ordnung?“ „Hm?“ Mark sah David an. „Was?“ „Ob bei dir alles klar ist.“ „Bei mir? Ja. Sicher.“ „Wenn es wegen letzter Nacht ist...willst du darüber reden?“, wollte David vorsichtig wissen. „Ich weiß nicht so. Ich fühle mich komisch.“, erwiderte Mark. „Hey, ich habe dich vorige Nacht ja zu nichts gezwungen...“ „Nein, das ist es nicht.“ „Schlechtes Gewissen?“, fragte David. „Vielleicht.“ „Solltest du nicht haben. Es war ja nichts Böses.“ „Meinst du?“ Unsicher sah Mark David in die Augen. „Ja. Es gibt nichts, wofür du dich schämen müßtest.“ Mark lächelte. „Wenn du’s sagst.“
David gähnte und sah auf seine Uhr. Noch fünf Minuten. Er brauchte endlich eine Zigarette. Doch diese paar Minuten mußte er Frau Waidmann auch noch ertragen. Als es dann schließlich klingelte, war er als erster draußen. Natürlich begab er sich schnurstracks in die Raucherecke. Als er kurze Zeit dort herumstand, sah er Mark, der in seine Richtung kam. Auch Florian war schon in Sicht. Doch David war nicht unbedingt scharf darauf, seinen neugierigen Kumpel zu sehen. Doch er wartete noch ab, bis Mark bei ihm war. „Na, wie geht’s?“ David nickte. „Medium. Und dir?“ „Wir haben Physik wiederbekommen.“ „Und?“, wollte David wissen. „13 schöne Punkte!“ Mark strahlte ihn an. „Hey, Glückwunsch.“ „David?“ Er sah sich um und erblickte den unerwünschten Florian. „Oh. Du.“ „Hey, können wir noch mal reden?“, fragte sein Freund. „Nö. Dazu habe ich keine Motivation.“, erwiderte David. „Sei doch nicht so komisch!“, forderte Florian ihn auf. „Was hast du mir eigentlich zu sagen!“ Die kleine Meinungsverschiedenheit hatte nun auch bei den anderen umstehenden RaucherInnen Interesse geweckt. Neugierig beobachteten sie David und Florian. „Ich mache mir ja bloß Sorgen!“ David verdrehte die Augen. „Wie du siehst legt David aber keinen Wert darauf!“, warf Mark ein. „Du solltest dich wohl ganz da raushalten!“, sagte Florian im Befehlston. „Hey, laß ihn gefälligst in Ruhe!“, drohte David. „Und mich auch!“ „Wieso, was hat der denn damit zu tun?“, wollte der gereizte Florian wissen. „‘Ne ganze Menge!“, antwortete Mark selber. David sah Florian noch einen Moment in die Augen. Dann faßte er nach Marks Hand. „Komm, wir gehen!“ Er warf Florian seine Zigarette vor die Füße und zog Mark mit sich. Die anderen SchülerInnen sahen ihnen merkwürdig, überrascht und sensationslüstern hinterher, als sie im Schulgebäude verschwanden. „Hey, warte mal!“ Mark blieb stehen. David ebenfalls. „Was?“ „Wolltest du das nicht ausdiskutieren?“ David warf einen Blick auf die Schülergruppen um sie herum, die eifrig ins Gespräch vertieft waren. „Nein, wollte ich nicht, OK?“ „Aber...“ Mark konnte schon nichts mehr sagen, da Davids Lippen seine trafen. David zog Mark zu sich heran. „Nichts aber, ja?“ Diesmal war es Mark, der die geschockten Blicke um sie herum betrachtete. „Dir ist wohl gar nichts heilig, was?“ Er mußte lachen. „Nein. Was sagst du, gehen wir?“ Mark überlegte kurz. „OK, Sport laß ich sausen.“ „Und auf Kunst bin ich auch nicht scharf.“, ergänzte David. „Womit wir uns einig wurden.“ Vielstimmiges Gemurmel wurde laut um die beiden, die ungefähr neunundneunzig Prozent der Aufmerksamkeit auf sich zogen. David und Mark drängten sich durch die Massen, um ihre Sachen zu holen. „Was seid ihr denn für schwule Idioten?“, stieß jemand Mark an. „Hast du was gesagt?“ David baute sich vor dem vorlauten Typen auf, der etwa zehn Zentimeter kleiner war als er. „Nein. Nein.“, sagte der auf einmal friedfertig. „Na also.“ Endlich konnten die beiden ihre Sachen nehmen und aus der Schule verschwinden.
„Ich war nicht mehr hier, seit ich es dir versprochen habe.“ David und Mark schlenderten die Straßen entlang, an der David so viele Nächte gestanden hatte. „Warum sind wir überhaupt hier?“ „Na, um zu sehen, wie gut es ist, daß du aufgehört hast.“, meinte Mark und grinste seinen Freund an. „Weißt du, ich würde gerne bald ausziehen. Ich habe letztens einen Job gekriegt. Nichts großes, aber immerhin.“ „Wirklich? Finde ich gut.“, sagte David. „Und wenn ich erst mal studiere, dann habe ich sowieso eine Wohnung.“ Mark sah David an. „Hoffentlich mit dir zusammen?!“ „Soll das heißen, du willst, daß ich mit dir zusammen wohne?“ David schaute seinem Freund tief in die Augen. „Ja. Das soll es heißen.“ Mark blickte skeptisch drein, doch dann lächelte David. „Du, das finde ich eine tolle Idee.“, Marks Gesichtszüge entspannten sich. „Wow. War gar nicht so schwer.“ Sie setzten ihren Weg fort. Auf einmal war da ein Auto, das neben ihnen verlangsamte. Ein Mann streckte seinen Kopf aus dem geöffneten Fenster. „Na, wie wäre es denn? Für ‘nen Hunni?“ „Nein.“, sagte Mark und lächelte. „Der gehört jetzt mir! Und zwar gratis!“ Er nahm Davids Hand und die beiden begannen zu laufen. Sie liefen bis zur nächsten Straßenecke, wo sie keuchend innehielten, sich verliebt in die glänzenden Augen sahen und in einen Kuß versanken.

Beendet am 02.05.98

A.E.R.W.