Gay Treffs 4

Als David seine Augen wieder öffnete, war es schon fast halb zehn. Wollten sie nicht heute nach Hannover fahren? Mühsam rappelte er sich hoch. Dann ging er auch schon hinüber zu Marks Zimmer. Dort fand er außer Mark noch dessen Mutter vor. „Brauchst du sonst noch irgendwas?“, fragte sie ihren Sohn mit besorgter Stimme. „Nein, schon gut.“ „Wenn du willst kann ich auch hierbleiben.“ „Laß nur, ich habe ja David.“ Mark zeigte auf seinen Freund, der in der Tür stand. „Was hat er denn?“, fragte David an Marks Mutter gewandt. „Ein bißchen Fieber. Und Kopfschmerzen.“ „Auf einmal?“, fragte David verwundert. „Heute...gestern Abend ging es dir doch noch gut.“ „Ich weiß auch nicht.“ Mark zuckte schwach mit den Schultern. „Jetzt eben nicht mehr so.“ „Also, wir fahren dann jetzt. So gegen fünf werden wir wohl wieder da sein.“, sagte seine Mutter. „Im Notfall hast du ja die Handynummer.“ Mark nickte. „Viel Spaß.“ „Danke, dir gute Besserung.“ Marks Mutter ging hinaus und schloß die Tür. David setzte sich neben Mark auf das Bett. „Komm mir nicht zu nahe.“, empfahl Mark. „Wenn’s was ansteckendes ist, na, dann Prost Mahlzeit.“ „Wird schon nicht.“, meinte David. „Außerdem mögen mich sowieso die Viren nicht.“ „Auf deine Verantwortung.“ „Gut.“ „Tut mir leid, daß ich unseren Hannover – Trip jetzt versaut habe.“, entschuldigte sich Mark. „Oh ja, schäm dich, daß du krank geworden bist.“ „Tue ich.“, meinte Mark. „Ist aber echt doof für dich.“ „Ach was, ich bleibe gerne bei dir und spiele Krankenpfleger.“, winkte David ab. „Na, dann bin ich ja beruhigt.“, meinte Mark dazu und zog seine Decke etwas höher. „Ist dir kalt?“, fragte David. „Nö, es geht. Ich hoffe, du hast dich letzte Nacht nicht angesteckt.“, überlegte Mark. „Blödsinn.“ David schüttelte den Kopf. „Ich sagte schon: Ich in robust und widerstandsfähig wie’n Stein.“ „Toller Vergleich.“, warf Mark ein. „Na was?“ David zog an Marks Decke. „Willst du Musik hören oder ‘nen Film gucken?“, wollte Mark wissen. „Oder bin ich dir genug Unterhaltung?“ „Wird sich zeigen.“, erwiderte David. Eine Weile wußten beide nicht, was sie sagen sollten. „Wie hast du geschlafen, die erste Nacht hier?“, fragte Mark dann schließlich. „Ziemlich...gut.“, meinte David und lächelte ein wenig. „Ja, ich fand’s auch recht gemütlich.“, stimmte Mark zu. „Könnten wir bei Gelegenheit ja mal wiederholen.“ „Hm.“, David nickte unsicher. Wieder trat eine Pause ein. „Siehst du, jetzt langweilst du dich doch.“, sagte Mark. „Naja, Langeweile kann man das nicht nennen.“, argumentierte David. „Wir können uns natürlich die ganze Zeit darüber streiten, ob mir langweilig ist oder nicht, aber...“ „Nein, stimmt. Das sollten wir nicht tun.“, meinte Mark einsichtig. „Aber sag mir: Was nun?“ David seufzte. „Hm. Egal. Laß mich mit unter die Decke.“ Mark sah David kurz fragend an. Dann hob er die Decke und David schlüpfte darunter. So lagen sie dann nebeneinander. „Jetzt noch etwas Musik gefällig der Herr?“, fragte Mark. „Ja, OK.“, stimmte David zu. Mark nahm seine Fernbedienung. Er drückte ein paar Tasten, bis endlich leise Musik aus den Lautsprechern kam. „Was ist das?“, fragte David. „Michael learns to rock.“, antwortete Mark. „Die sind cool.“ „Kenn ich nicht.“, meinte David. „Dann lernst du sie jetzt kennen.“ Er lehnte seinen Kopf an Davids Schulter. „Das macht dir doch nichts aus?“ David schüttelte den Kopf. „Ich werde auch nicht allzu zudringlich, versprochen.“ David achtete gar nicht auf die letzte Bemerkung. Für ihn war die momentane Situation genug, aber keine „Belästigung“. „So angenehm war krank sein noch nie.“, meinte Mark. „Ich glaube, ich muß öfter mal Fieber haben.“ „Übertreib’s nicht.“, mahnte David freundlich. „Ich doch nicht.“, erwiderte Mark grinsend. „Und jetzt langweilen wir uns nicht mehr, wenn wir hier so nebeneinander liegen?“, fragte David nach einem Moment. „Also für mich reichts.“, erwiderte Mark. „Und wenn’s mir heute Abend wieder besser geht, dann können wir ja ins Rodeo gehen. Wenn du Lust hast.“ „Wenn deine Mutter dich in diesem Zustand wegläßt.“ „Wird sie schon.“, meinte Mark zuversichtlich. „Ich sagte ja auch, wenn’s mir besser geht.“ „Ja, heute Abend ist mir schon eher nach weggehen.“, stimmte David zu. „Und übermorgen ist wieder Schule.“ „Ja. So’n Dreck.“ „Montag ist noch der schlimmste Tag. Keine Motivation und hundemüde sowieso.“, sagte David. „Aber im Moment ist mir die Schule ziemlich egal.“ „Das sollte sie aber nicht. Wir machen doch bald ABI.“, wußte Mark. „Ja, ja, das ist mir auch klar. Bis dahin wird sich hoffentlich alles gerichtet haben.“, meinte David. „Schließlich habe ich jetzt wieder einen soliden und vor allen Dingen moralischen Lebenswandel. Hm.“ „Na, wenn du meinst. Du fängst dich schon wieder.“, sagte Mark dazu. „Sag mal, ich habe dir ja soviel von mir erzählt, aber von dir weiß ich noch fast gar nichts.“, meinte David. „Da gibt’s auch nicht so wahnsinnig viel zu berichten. Was willst du denn wissen?“, fragte Mark. „Na zum Beispiel ob du schon mal eine Beziehung hattest.“ „Mit Mädchen oder Typen?“ „Beides.“ „Ja, also vor ein paar Jahren, als ich noch nicht so wußte auf wen oder was ich stehe hatte ich schon mal was mit einem Mädchen. Sabrina hieß sie. Da war ich glaube ich 16.“, überlegte Mark. „Dann weißt du ja noch gar nicht so lange, daß du schwul bist.“ „Nö, das ist mir erst danach klar geworden. Ich meine, nachdem Sabrina und ich...du weißt schon. Naja.“ „Oh je, das arme Mädchen.“, sagte David mitfühlend. „Ach, sie meinte, sie hätte sich das schon gedacht. Ein bißchen sauer war sie schon, aber die große Liebe war’s für sie auch nicht.“ „Ach so. dann geht’s ja. Und weiter?“, wollte David gespannt wissen. „Naja, ich hab da auch mal so ‘nen Typen kennengelernt. Aber soviel ist da nicht gelaufen.“ „Was heißt ’nicht so viel‘?“ „Du willst es wohl ganz genau wissen. Ich bin noch Jungfrau, wenn du das meinst.“ „Hätte ich nicht gedacht.“ David sah Mark überrascht an. „Wirklich? Mache ich so einen Eindruck?“, wollte Mark verwundert wissen. „Nein, nein, ich dachte nur.“ „Ich war ja auch noch nie so richtig verliebt.“, gab Mark als Grund an. „So wie jetzt, meine ich.“ David räusperte sich. „Nun ja.“ „Das ist dir doch noch unangenehm, hm?“ „Falsches Wort. Ungewohnt, das trifft es besser.“, erklärte David. „Wieso? Waren noch keine Mädchen in dich verknallt?“, wollte Mark wissen. „Doch, das schon.“, erwiderte David. „Aber das ist was anderes.“ „Meinst du?“ „Klar. Das würde jeder sagen.“ „Ich dachte, Liebe und so wäre für dich total unwichtig.“, meinte Mark. „Dachte ich auch. Ich hab geglaubt, Liebe gäbe es nicht. Nicht so richtig, auf jeden Fall.“, erklärte David. „Tja, da hast du dich getäuscht.“, sagte Mark. „Anscheinend.“ Sie sahen sich an. Bevor die Situation zu „heiß“ wurde, fragte David: „Geht’s dir schon besser?“ „Ein bißchen.“, erwiderte Mark. „Komm, Fieber messen!“ „Aber ich -“ David stopfte Mark das Fieberthermometer regelrecht in den Mund. „Ruhig sein. Temperatur prüfen.“ Mark grummelte irgend etwas, aber David konnte ihn natürlich nicht verstehen. „Ich geh dir jetzt mal was zu trinken holen.“ David stand auf. „Dableiben!“ Mark spuckte das Thermometer aus. „Uäh, was soll das denn?“, fragte David mit krauser Stirn. „Na, du sollst nicht weggehen.“, begründete Mark. „Ich komme ja wieder. Wasser? Saft?“ „Wasser bitte.“ „Gut.“ David verließ den Raum und ging die Treppe hinunter. „Bring doch gleich noch irgendwas zum Knabbern mit, du findest das schon.“, rief ihm Mark noch hinterher. „Alles klar.“, sagte David so vor sich hin, ging in die Küche und startete „Unternehmen: Knabbersachensuche“.
„Mama, können wir heute abend, also jetzt, noch weg oder...?“ Mark sah seine Mutter sehr freundlich und bittend an. „Aber du bist doch krank.“ Seine Mutter legte die Stirn in Falten. „Ach was, geht schon wieder. Ich hatte einen guten Pfleger.“, sagte Mark mit einem grinsenden Seitenblick auf David, der neben ihm stand. „Naja gut. Hauptsache, du bist am Montag wieder fit für die Schule.“, mahnte seine Mutter schließlich. „Danke Mam.“ Mark drückte ihr einen Kuß auf die Wange. „Wie spät ist es?“, fragte er dann David. „Kurz nach halb elf, wieso?“ „Ich überlege nur, wann wir los müssen.“ „Ist denn schon was los im Rodeo?“, fragte David skeptisch. „Eben, deshalb überlege ich ja.“, grübelte Mark weiter. „‘Ne Stunde haben wir noch, würde ich sagen!“ „Wie du meinst. Vielleicht treffen wir ja wen.“, meinte David. „Kann gut sein. Aber jetzt laß uns noch mal hochgehen, OK?“ „OK.“, stimmte David zu.
Als David und Mark das Rodeo betraten, war es kurz nach zwölf. Es war schon ziemlich viel los für diese Zeit. Normalerweise ging es erst so gegen eins so richtig los, nicht wie im Jolly schon um neun. David und Mark konnten trotz des Betriebs noch einen Platz auf den Barhockern ergattern, die so hier und da außerhalb der Tanzfläche herumstanden. „Willst du was trinken?“, fragte Mark in Brüllton aufgrund der Lautstärke. David schüttelte nur den Kopf, um seine Stimme zu schonen. „Ich geh mir jetzt was holen. Halt mir den Platz frei.“ David nickte. Mark stand also auf und ging in Richtung Bar. David sah sich um. Im Moment konnte er noch keinen Bekannten entdecken. Auf einmal fühlte er eine Hand auf seiner Schulter. Blitzartig sah David sich um. Er atmete auf. „Florian!“, rief er erleichtert. „Hey David! Können wir mal kurz reden? Draußen?“, fragte ihn Florian sofort. David sah ihn kurz an. „OK.“ Er sah sich kurz um, wo Mark blieb. Als er ihn erblickte, gab er ihm ein Zeichen, so daß er Bescheid wußte. Etwas verwundert sah Mark den beiden hinterher, als sie die Disco wieder verließen.
Draußen war die Musik immer noch laut genug zu hören. „Sag mal, was ist denn los bei dir Zuhause?“, fragte Florian besorgt, als sie den Parkplatz heruntergingen. „Was meinst du?“ David sah auf den nassen Asphalt unter sich. „Du hast ja erzählt, daß es bei euch ‘kleine Differenzen‘ gibt, aber warum genau du weg bist, hast du mir nicht gesagt.“ „Nun, weißt du, Zuhause hat’s mich nicht mehr so gehalten.“, erwiderte David. „Wie? Sag bloß, du bist freiwillig weg?“ Überrascht sah Florian seinen Kumpel an. „Hab ich ‘n Schild auf der Stirn auf dem steht „Frag mich aus!“ oder wie?“, wollte David wissen. „Naja, wie kannst du so einfach ausziehen?“, meinte Florian. „Geld hast du ja, das ist auch so eine Sache, aber -“ „Wie meinst du das?“, fragte David mißtrauisch. „Also, ziemlich viele Leute fragen sich, wie du dir das alles so leisten kannst.“ David blieb stehen. „Was soll denn das jetzt heißen?“ „Du erzählst doch immer, wie geizig dein Alter ist. Aber du hast doch trotzdem immer die besten Sachen und so weiter.“, begründete Florian sein Anliegen. „Ach, und was meinst du, woher das kommt?“, fragte David gereizt. „Ich denke erst mal gar nichts.“ „Nein? Dann hättest du doch nicht so ‘ne blöde Anspielung gemacht.“, meinte David sauer. „Das geht dich echt gar nichts an. Und den ‘vielen Leuten‘ erzähl doch was du willst.“ Mit diesen Worten machte David eine Kehrtwendung und ließ seinen Kumpel stehen.
„Komm, wir gehen.“, rief David zu, als er Mark wiedergefunden hatte. „Wieso?“, wollte Mark wissen, doch David antwortete nicht sondern strebte schon wieder in Richtung Ausgang. Dort traf er wider auf Florian. „Hör mal David, du solltest das jetzt nicht falsch verstehen.“ Er hielt David am Arm fest. David riß sich los. „Halt bloß die Klappe.“, zischte er. Mark hatte die Szene beobachtet. „David, gehen wir.“ Er schob David an Florian vorbei aus der Tür. „Würdest du mir sagen, was da los war?“, wollte er dann wissen, als sie an der frischen Luft waren. „Ach, er wollte dies und das wissen und wieso und weshalb.“, erwiderte David und kickte eine Coladose weg, die vor ihm auf dem Boden lag. „Was wollte er wissen?“ „Woher ich mein Geld habe, man!“, schrie David Mark an. „Hey, mich mußt du bitte nicht anmachen, ja?“, sagte der daraufhin. „Ja. Ja. Entschuldige.“ David sah in den wolkenverhangenen Himmel. „Ich habe genug von diesen ganzen dämlichen Fragen wieso weshalb warum! Die Leute können mich doch einfach in Ruhe lassen!“ „Sie machen sich Sorgen um dich.“, vermutete Mark. „Sieht für mich nicht so aus.“ „Es wollen dir aber auch nicht alle was böses. Nimm doch mal mich!“ Mark breitete die Arme aus, sprang vor David und zog sein Showmastergrinsen. David mußte lächeln. „Ach du, du bist ja noch der Schlimmste!“ „Ja? Gut, dann habe ich ja meinen Ruf als Nervensäge erfolgreich verteidigt. Ich finde wir passen gut zusammen. ‘N Schwachsinniger und ‘ne Nervensäge.“ „Schwachsinnig! Na warte!“ Mark hatte alle Mühe, vor David wegzulaufen, der ihn über den halben Parkplatz scheuchte.
„Na, Jungs, hattet ihr einen netten Abend?“ Marks Mutter goß allen beim Frühstück am Sonntag morgen Kaffee ein. „Wir waren nicht lange da.“, antwortete ihr Sohn. „War nicht so viel los.“ „Naja, ist auch besser, du schonst dich noch.“ „Es geht mir gut, Mama.“ „Das sah aber gestern Morgen noch anders aus.“, schaltete sich Herr Stern ins Gespräch ein. „Ja, ja, ich weiß. Heute Abend gehe ich früh ins Bett, Mami und Papi!“ Mark lächelte seine Eltern freundlich an. „Will ich auch meinen.“ Sein Vater widmete sich wieder seiner Zeitung. „David, willst du noch einen Toast?“, fragte Marks Mutter. „Nein danke, ich bin voll. Seit ich hier bin habe ich bestimmt ein - zwei Kilo zugenommen, bei dem guten Essen.“, erwiderte David. „Danke, nett von dir.“ „Können wir dann aufstehen, Mama?“, fragte Mark. „Ja, geht nur.“ „Hausaufgaben machen!“ David und Mark verzogen die Gesichter. „Ja, an die Arbeiten, Kinder.“, sagte Marks Vater noch.