Gay Treffs 2

„Leise schloß Mark die Haustür auf. Er deutete David an, ruhig zu sein, als sie das Haus betraten. David sah sich um. Er konnte im Dunklen wenig von der Einrichtung erkennen und konnte nur hoffen, nicht zu stolpern. Er folgte Mark über eine Treppe in den ersten Stock. Dort befand sich Marks Zimmer, das sie jetzt betraten. „Setz dich am besten auf das Bett.“ Mark machte Licht ein. Es brannte in Davids Augen. Als er sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, sah er sich in dem kleinen Zimmer um. Gut, für einige Minuten konnte er sich hier niederlassen. Er nahm auf dem Bett Platz und beobachtete Mark, der sich ihm gegenüber in einen Sessel fallen ließ. „Und? Jetzt erzähl mal.“ „Was soll ich schon groß erzählen?“ „Ach, komm schon.“ Mark sah ihn fragend an. „Du weißt doch genau, was ich meine. Warum du dich da herumtreibst. Wieso du jeden Morgen so fertig aussiehst.“ „OK, OK. Aber dann gibst du Ruhe.“ David holte tief Luft, was Schmerzen in seinem Magen verursachte. „Du hast doch sicher schon mitgekriegt, warum ich da stehe, fast jeden abend, schließlich bist du mir gefolgt.“ „Du tust dasselbe wie die Nutten, die da rumstehen.“, sagte Mark trocken. „Siehst du. Du weißt es schon.“ „Aber wieso denn? Nimmst du Drogen? Brauchst du das Geld?“, fragte Mark. David hob die Schultern. „Eigentlich...nicht.“ „Also wieso?“ „Wieso ich meinen Arsch verkaufe...gute Frage.“ David überlegte. „Vielleicht versuche ich ein bißchen Aufmerksamkeit zu bekommen.“ „Reicht es da nicht, ein bißchen Geschirr zu zerschmeißen oder sowas?“, wollte Mark wissen. „Nein, ich glaube nicht, daß das bei meinen Eltern zieht.“ „Ich könnte das nie. Mich da hinstellen. Diese ganzen Typen...“ „Es ist nur wichtig, daß es sich nicht hier abspielt.“ David legte eine Hand auf seine Brust. „Alles im Kopf. Und, OK, zwischen den Beinen. Es ist nicht so schwer, wie du denkst.“ „Doch, ich denke, das ist es schon.“, meinte Mark. „Wenn man dir ‘richtigen’ sexuellen Veranlagungen hat, ist es noch etwas einfacher, wenn du verstehst.“„ Egal. Ich könnte es nicht.“ „Meinst du, daß es einen abstumpft?“, wollte David wissen. „Ja, vielleicht tut es das, aber das ist nicht wichtig.“ „Wieso? Ist die Liebe für dich gar nicht wichtig?“, fragte Mark schockiert. „Ich glaube nicht so recht daran.“ „Ich schon.“, meinte Mark. Einen Moment schwiegen sie. „Du wolltest doch wissen, wieso ich dich nicht zufrieden lasse oder?“ David horchte auf. „Ich dachte, es wäre dir vielleicht schon aufgefallen.“ Mark sah David in die Augen. „Ich...Seit ich dich das erste Mal gesehen habe, liebe ich dich.“ David klappte die Kinnlade herunter. „Was?“ „Du hast es doch gehört.“ Mark sah an die Zimmerdecke. „Ich konnte dich nicht ihn Ruhe lassen, weil es mir weh getan hat, dich so fertig zu sehen.“ Wieder schwiegen sie sich an. David starrte so vor sich hin. Das erklärte natürlich alles. „Nun, jetzt wo ich alles weiß und du alles weißt,“, brach Mark die Stille. „Gibt es natürlich keinen Grund mehr, daß ich dich weiter belästige.“ „Hm?“ David sah ihn an. „Naja, weißt du, ich nerve dich doch sowieso nur.“ „Das war doch nur, weil ich dachte, du willst mich ausspionieren und dann alles herumtratschen.“ „Das würde ich nicht tun. Das ich jemandem erzählt habe, daß ich mir Sorgen mache, heißt nicht, daß ich auch erzählen würde, was mit dir los ist. Dafür bist du mir zu wichtig.“ „Ich finde, wenn wir schon soviel voneinander wissen, besteht auch kein Grund, sich aus dem Weg zu gehen.“ Marks Augen bekamen einen freudigen Schimmer. „Meinst du das ernst?“ David nickte. „Aber ich sollte jetzt gehen, es ist schon kurz vor zwei. Du bist sicher müde.“ „So wach wie jetzt in diesem Moment war ich noch nie in meinem ganzen Leben.“, erwiderte Mark. „Egal, ich sollte jetzt wirklich gehen. Wir sehen uns ja noch.“ David stand auf. „Ich bring dich noch runter.“
Die beiden schlichen leise die Treppe hinunter. Mark öffnete David die Tür. „Bevor du gehst...versprich mir eins, ja?“ „Was soll ich dir versprechen?“, fragte David. „Daß du nie wieder da hingehst und dich an die Straße stellst, OK?“ David sah Mark in die Augen. „Versprochen?“ „Versprochen.“ Mark lächelte. Er beugte sich vor. Seine Lippen berührten flüchtig Davids Gesicht. „Ach, tut mir leid, daß war dumm.“, entschuldigte er sich aber gleich darauf. „Ach, schon gut.“, meinte David überrascht. „Mach’s gut.“ Mark schloß die Haustür. Einen Moment lang blieb David stehen. Dann ging er, mit einem Lächeln, das über sein Gesicht huschte, nach Hause.
Seufzend ließ David sich in die Kissen sinken. Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Was für ein Tag. Er hatte jemandem, den er kaum kannte, versprochen, etwas aufzugeben, was in den letzten Monaten so elementar für ihn geworden war. Er hätte es sonst niemand anderem versprochen. Er drehte sich auf die Seite und schloß die Augen. Irgendwie schön, mit dem Gefühl einzuschlafen, daß es jemanden gab, der ihn liebte. Wirklich liebte.
Am folgenden Morgen erwachte David mit einem seltsamen Gefühl. Er mußte erst noch einmal registrieren, was gestern alles passiert war. Da war dieser Typ, der ihm dreihundert Mark geklaut hatte. Dann war da Mark gewesen. Der hatte ihn ausgefragt. Und außerdem erzählt, daß er ihn liebte. David lächelte und streckte sich. Es war Donnerstag. Morgen begann das Wochenende. An diesem Morgen war David also ziemlich positiv gestimmt. Sogar sein Bruder wurde mal nicht von ihm aus dem Bad vertrieben. Am Frühstückstisch lauschte er gespannt den Familienneuigkeiten. Sein Vater war heute mal auswärts unterwegs und würde erst spät wiederkommen. Seine Mutter hatte den üblichen Hausfrauenkram vor sich, waschen, bügeln und kochen. Alex schrieb heute einen Aufsatz. Nichts besonderes eben.
Um kurz nach halb acht machte sich David auf den Schulweg. Er dachte über Mark nach. Nach seinem Liebesgeständnis sah er ihn mit etwas anderen Augen. Er war aber auch wirklich ein Blindgänger gewesen, nicht zu merken, was los war.
In der Raucherecke standen schon ziemlich viele Schüler, da es recht spät war für Davids Verhältnisse. Florian hatte ihn schon erwartet. „Na, alles klar bei dir?“ „Ja. Alles locker.“, meinte David und grinste freundlich. „Nanu, heute so gut drauf?“, wunderte sich sein Kumpel. „Ja, ich habe mal ausnahmsweise geschlafen!“ „Nein, wirklich!“ Florian schlug David freundschaftlich auf die Schulter. David schaute sich um. Da sah er auch schon Mark, der gerade auf dem Schulgelände eingetroffen war. Er hob einen Moment den Kopf, lächelte, als er David sah und senkte den Blick wieder. „Läßt der dich jetzt wieder in Ruhe oder wie?“ Florian sah David schief an. „Ist doch nicht so wichtig oder?“ David sah Mark nach. Sie hatten sicher noch einiges zu reden, vielleicht weniger schwerwiegendes als gestern. Aber jetzt stand ihm erst mal ein langer Schultag bevor.
„Hey David!“ Er sah sich um und erblickte Mark, der ihm auf dem Gang gefolgt war. „Hallo, na wie geht’s?“ fragte. „Ganz gut.“, erwiderte David. Sie gingen einen Moment lang nebeneinander her. „Und, was hast du heute so vor?“ „Wie, am Abend?“ „Ja, ich meine, wenn du noch nichts bestimmtes vorhast,“, begann Mark. „Dann könntest du ja mal bei mir vorbeischauen.“ „Ja, das müßte ich eigentlich hinkriegen. Mein Vater kommt heute eh erst spät wieder und meine Mutter, die muß ja eigentlich von nichts wissen.“, meinte Mark. „Schließlich bin ich es gewöhnt aus dem Fenster zu klettern.“ Mark lächelte. Ein bißchen. „Ja gut, dann komm doch einfach vorbei. So gegen 21 Uhr?“ „Geht klar.“ David nickt zustimmend. „OK, ich muß jetzt, bis dann!“ Mark lief schnell den Gang herunter um pünktlich zur nächsten Stunde zu erscheinen.
Punkt 21 Uhr stand David bei Mark auf der Matte. Wieder gingen sie die Treppe hinauf, diesmal aber im Hellen, schließlich waren Marks Eltern noch wach. In Marks Zimmer ließ sich David auf das Bett fallen. „Da bin ich.“ „Ja, da bist du.“ Mark setzte sich wieder auf den Sessel und kuschelte sich tief in ihn. „Also, über was wollen wir reden?“ „Ach, das ist schon mal gar kein guter Anfang für ein Gespräch.“, meinte Mark. „Das muß spontan kommen.“ „Wo wir schon ein Thema hätten.“, witzelte David. „Die Spontaneität beim gepflegten Gespräch.“ „Nee, ich glaube, das lassen wir bleiben.“, wehrte Mark ab. „Sag mal, wissen deine Eltern eigentlich, was mit dir los ist?“, wollte David wissen. „Diese Schwulengeschichte?“ Mark setzte sich aufrecht hin. „Ja, seit etwa...einem Jahr wissen sie’s.“ „OK, übliche Psychiaterfrage: Wie haben sie reagiert?“ „Besser als ich erwartet hatte.“, erwiderte Mark. „Klar, zuerst gab’s mächtig Krach und so weiter, aber nach ein paar Monaten hatten sie es einigermaßen verdaut. Wir reden zwar nicht dauernd darüber, aber tabu ist es nicht mehr.“ „Das finde ich cool.“, meinte David. „Und du? Du hast gestern sowas angedeutet. Mit den ‘sexuellen Veranlagungen’, wenn ich mich recht erinnere.“ Mark sah ihn interessiert an. „Naja, so genau habe ich mich da noch nicht festgelegt. Das klingt zwar unlogisch nach meiner ganzen Vorgeschichte, aber es ist so.“ Mark sah etwas ernüchtert drein. David sah das und fügte hinzu: „Aber ich würde eher zum anderen Ufer tendieren.“ „Weißt du, ich hatte mir ja keine Hoffnungen gemacht, OK, das schon, aber so richtig gedacht, den kriege ich, nö.“, sagte Mark. „Ich will dir damit ich nicht so auf den Wecker gehen.“ „Tust du nicht.“, meinte David. „Ich finde das alles sehr interessant. Schließlich ist es das erste Mal, das jemand mir seine Liebe gestanden hat.“ „Naja...“ Marks Gesicht bekam einen leichten rötlichen Schimmer. „Ich mußte es dir gestern einfach sagen.“ „Ist doch auch OK.“ Eine längere Pause folgte. „Naja, jetzt haben wir uns ja psychologisch ganz gut ausgesprochen. Wie wär’s mit etwas Heiterem?“, schlug Mark nach einer Weile vor. „Ich habe gerade von einem Kumpel ein paar Videos geliehen. Wollen wir eins sehen?“ „OK, wir können ja später irgendwann weiterreden.“, stimmte David zu.
Als David zu seinem Fenster hinaufkletterte war es kurz nach eins. Mark und er hatten noch über eine Stunde gequatscht, nachdem sie sich einen Film reingezogen hatten. Mit müden Knochen schwang sich David zum Fenster herein. Und erstarrte. Er konnte in das Gesicht seines Vaters blicken. „Papa...ich dachte du wärst weg!“ „Das sehe ich wohl, das du das dachtest.“, zischte sein Vater in seinem strengsten Ton. „Wo warst du?“ „Bei einem Freund. Wir haben Videos geschaut.“ „Ach ja? Mach mir nichts vor.“, sagte sein Vater und machte das Licht in seinem Zimmer an. David blinzelte in die Helligkeit. „Warst du nicht vielleicht auch da wo du gestern abend und vorgestern abend warst?“ „Ich weiß nicht, was du meinst.“, sagte David mit klopfendem Herzen. „Lüg mich nicht an.“ Sein Vater packte in am Arm. „Ein Kollege von mir hat dich gesehen. In einem Viertel, wo sich nur Nutten rumtreiben. Was hattest du da zu suchen?“ „Ich -“ „Du brauchst gar nicht erst zu antworten, ich weiß es.“ Sein Vater warf ein Bündel Geldscheine auf dem Boden. „Oder kannst du mir erklären, wo das hier herkommt.“ „Wieso schnüffelst du in meinem Zimmer rum?“ David riß sich los. „Die Fragen stelle ich!“, rief sein Vater wütend. „Wieso, wenn du alles schon weißt.“ David funkelte ihn an. „Ich wollte hören, ob du wirklich so tief in der Gosse liegst wie ich denke.“ „Wenn du es wissen willst...“ David sah seinen Vater von oben herab an. „Ja, ich bin das, was du denkst.“ „Ein Stricher, wirklich unglaublich. Was denkst du dir eigentlich?“, schrie sein Vater in erhöhter Lautstärke. „Was soll ich schon denken! Das war dir doch sonst auch immer egal!“ „Werd mal nicht frech.“ Davids Vater drohte ihm mit dem Zeigefinger. „Was glaubst du denken meine Kollegen, wenn sie sehen, daß mein Sohn in diverse Autos einsteigt und sich durchvögeln läßt?“ David schnaubte. „Es war ja klar, daß du nur wieder daran denkst, was die Leute von dir halten. Aber mach dir keine Sorgen, sicher hatte ich auch schon mal das Vergnügen mit einem deiner lieben Kollegen.“ Sein Vater holte aus und gab ihm eine Ohrfeige. „Das war schon immer deine Art, mich zum Schweigen zu bringen.“, sagte David trocken. „Hör zu. Das hier wird deine letzte Nacht hier sein.“, sagte sein Vater mit schnellem Atem. „Ich will dich hier nicht mehr sehen. Du kannst wiederkommen, wenn ich es sage.“ „Du glaubst doch nicht, daß ich wiederkomme oder?“ „Um so besser. Nur um deine arme Mutter tut es mir leid.“ Davids Vater drehte sich um. „Morgen Mittag bist du hier verschwunden.“ Das waren seine letzten Worte, bevor er das Zimmer mit zuschlagender Tür verließ. „Was war denn los, Manfred?“, hörte David seine Mutter fragen. „Das erzähle ich dir, wenn du dich gesetzt hast.“ Das war sein Vater gewesen. David gab sich gar keine Mühe zu lauschen. Er stürmte schnell zu seiner Tür und drehte den Schlüssel im Schloß herum. Er verharrte kurz und überlegte. Was mußte er alles einpacken? Das alles kam etwas plötzlich, aber nach den letzten Tagen konnte ihn schon gar nichts mehr wundern. Die größte Frage war allerdings: Wo sollte er hin? Er hatte eigentlich keine Lust darauf zu Florian zu gehen. Der ging ihm nämlich langsam oder sicher gewaltig auf den Sender. Da blieb noch Mark. Aber den kannte er kaum, trotz allem, was sie voneinander wußten. Aber fragen konnte nicht schaden. Eine Nacht hatte er noch in seinem Zimmer. Doch jetzt hieß es packen und nicht wehmütig werden. David ging zum Fenster und hob die Geldscheine auf, die auf dem Fußboden lagen. Wenigstens hatte sein Vater das Geld liegenlassen Zur Not würde er sich davon auch eine Unterkunft bezahlen können. Schnell steckte er das Geld ein. Dann ging er zum Kleiderschrank und stopfte wahllos einige Dinge in eine Sporttasche. David wunderte sich, daß ihm eigentlich gar nicht soviel einfiel, was er mitnehmen wollte. Ein paar Anziehsachen, persönlich wichtige Dinge, das Geld. Das war’s. Er hatte wenig Lust dazu, noch eine Nacht hier zu verbringen. Zuhause war eben jetzt nicht mehr Zuhause. Von einer Sekunde auf die andere. Wie das Leben so spielt. David setzte sich auf sein Bett. Die Frage „Zum letzten Mal?“ geisterte in seinem Kopf herum. Naja, zum allerletzten Mal würde er hier sicher nicht sein. Irgendwie war es doch klar gewesen, daß sein Vater ihn rausschmeißen würde. Schließlich hatte er gewisse Dinge herausgefunden, von denen kein Vater begeistert gewesen wäre. David zuckte mit den Schultern und begab sich in die Waagerechte. Er sah sich in seinem Zimmer um. Ja, das würde er vielleicht vermissen. Er schloß die Augen.
David wachte auf, als jemand wie wild an die Tür klopfte. „David! Mach die Tür auf.“, hörte er die Stimme seiner Mutter rufen. Blitzschnell war er hellwach. Er setzte sich auf. Jetzt hieß es schnell handeln. David stand auf, nahm seine Sporttasche und seinen Schulrucksack. „David! Mach sofort die Tür auf!“ Er öffnete das Fenster und warf die Sachen hinunter. Dann kletterte er, wie schon so oft, an der Hauswand herunter. Unten angekommen nahm er wieder seine Sachen, sah sich noch einmal um und verließ dann mit schnellen Schritten das Grundstück.
Als er in der Schule ankam, war David ziemlich fertig, da die paar Sachen, die er mitgenommen hatte, doch ziemlich schwer waren. Er ließ sich auf die Bank in der Raucherecke fallen, kramte eine Zigarette hervor und zündete sie an. Er streckte die Beine von sich. Im Moment fühlte er sich noch nicht besonders heimatlos. Jetzt war noch alles wie immer. Da kam auch schon Florian. Er zeigte auf Davids Sachen. „Was hat das denn zu bedeuten?“, fragte er. „Willst du ausziehen?“ „So ähnlich.“, gab David ihm zur Antwort. „Aha, jetzt bin ich schon viel schlauer.“ Florian setzte sich neben ihn. „Ja, gut, mein Vater hat mich rausgeschmissen.“ Florian zog die Augenbrauen hoch. „Wieso das denn?“ „Kleine Differenzen, nicht so wichtig. Kann ich vielleicht bei dir pennen?“ David sah Florian an. „Also, ich glaube, das geht nicht. Es ist nicht wegen mir, aber meine Eltern sind etwas...“ „Spießig, verstehe schon.“ David setzte sich aufrecht hin. „Naja...kannst du nicht noch wen anders fragen?“ „Sicher.“ „OK.“, meinte Florian mit einem skeptischen Seitenblick. David starrte so vor sich hin. Da sah er ein bekanntes Gesicht. Mark Stern. Sollte er ihn jetzt fragen oder nicht? David legte den Kopf schief. Er kannte ihn ja eigentlich nicht besonders gut. Und dann gleich eine Unterkunft mit Halbpension, was immer... Aber fragen konnte man ja mal. Mark kam an der Raucherecke vorbei und David sprang auf. „Hey!“ Mark sah herüber. Sein Gesicht hellte sich auf. „Hi!“ David ging mit zügigen Schritten auf ihn zu. „Hallo, gut, daß du kommst.“ „Probleme?“, wollte Mark wissen, als er einen Blick auf Davids Tasche warf, die bei ihm über der Schulter hing. „Allerdings.“, gab David zurück. „Du, ich wollte dich was fragen...“ „Na, dann raus damit!“ Mark blickte ihn freundlich. „Also, die Sache ist die...Mein Vater hat mich gestern praktisch gestellt, weil er etwas herausgefunden hat, du weißt schon.“ Mark nickte. „Naja, und jetzt hat er ich rausgeworfen. Und da wollte ich mal fragen, ob -“ „Na klar, das wird schon gehen.“, unterbrach Mark ihn. David sah ihn fragend an. „Du wolltest doch wissen, ob du bei mir schlafen kannst oder?“ „Stimmt, aber woher -“ Wieder konnte er nicht zuende sprechen. „Na, was hättest du sonst wollen können? Ich werde mal meine Eltern fragen, aber ich denke, das geht.“ „Aber sie kennen mich gar nicht!“ „Nicht direkt.“, sagte Mark geheimnisvoll. „Wie jetzt?“ „Sie wissen, daß ich verliebt bin, aber nicht in wen, also kennen sie dich indirekt.“ David sah sich um. Anscheinend schien niemand gehört zu haben, was Mark gesagt hatte. „Und da meine Eltern eigentlich ganz gütig sind, seit einiger Zeit wieder, du verstehst...Komm einfach nach der Schule mit zu mir.“ „Wenn du meinst, daß das wirklich geht...“ „Klar, wir sehen uns.“ Mark drehte sich um und wollte gehen, doch David hielt ihn fest. „Hey, warte mal...Danke.“ Mark lächelte ihn an. „Schon OK.“ Dann ging er auf das Schulgebäude zu. David sah ihm nach und spürte kurz darauf eine Hand auf seiner Schulter. Es war Florian. „He, hast du den Typen mal gefragt? Ihr hockt anscheinend in letzter Zeit öfter zusammen.“, sagte er. „Naja, wir kennen uns nur flüchtig...Aus Deutsch und so weiter.“ „Und, was ist jetzt?“, fragte sein Kumpel. „Ja, ich denke ich habe eine Bleibe für die nächste Zeit. Hoffentlich.“ „Dann ist ja gut.“, sagte Florian, klopfte ihm auf die Schulter und wollte ebenfalls gehen, doch auch ihn hielt David zurück. „Du, einen Moment mal...Wo bleibt eigentlich mein Geld?“ Florian schien nach einer Antwort zu suchen. „Ja, weißt du, ich bin ein bißchen knapp bei Kasse...“ „Nichts neues also...“ „Nächste Woche kriegst du die Hälfte, OK?“ Florian lächelte ihn scheinheilig an. „Na gut, sonst mach ich Terror, hörst du?“ David machte ein grimmiges Gesicht. „OK, dann ciao.“ Florian hatte es auf einmal sehr eilig, in den Unterricht zu kommen.