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Leise schloß Mark die Haustür auf. Er deutete David an,
ruhig zu sein, als sie das Haus betraten. David sah sich um. Er konnte im
Dunklen wenig von der Einrichtung erkennen und konnte nur hoffen, nicht zu
stolpern. Er folgte Mark über eine Treppe in den ersten Stock. Dort befand
sich Marks Zimmer, das sie jetzt betraten. Setz dich am besten auf das
Bett. Mark machte Licht ein. Es brannte in Davids Augen. Als er sich
an die Helligkeit gewöhnt hatte, sah er sich in dem kleinen Zimmer um.
Gut, für einige Minuten konnte er sich hier niederlassen. Er nahm auf
dem Bett Platz und beobachtete Mark, der sich ihm gegenüber in einen
Sessel fallen ließ. Und? Jetzt erzähl mal. Was
soll ich schon groß erzählen? Ach, komm schon.
Mark sah ihn fragend an. Du weißt doch genau, was ich meine. Warum
du dich da herumtreibst. Wieso du jeden Morgen so fertig aussiehst.
OK, OK. Aber dann gibst du Ruhe. David holte tief Luft, was Schmerzen
in seinem Magen verursachte. Du hast doch sicher schon mitgekriegt,
warum ich da stehe, fast jeden abend, schließlich bist du mir gefolgt.
Du tust dasselbe wie die Nutten, die da rumstehen., sagte Mark
trocken. Siehst du. Du weißt es schon. Aber wieso
denn? Nimmst du Drogen? Brauchst du das Geld?, fragte Mark. David hob
die Schultern. Eigentlich...nicht. Also wieso? Wieso
ich meinen Arsch verkaufe...gute Frage. David überlegte. Vielleicht
versuche ich ein bißchen Aufmerksamkeit zu bekommen. Reicht
es da nicht, ein bißchen Geschirr zu zerschmeißen oder sowas?,
wollte Mark wissen. Nein, ich glaube nicht, daß das bei meinen
Eltern zieht. Ich könnte das nie. Mich da hinstellen. Diese
ganzen Typen... Es ist nur wichtig, daß es sich nicht hier
abspielt. David legte eine Hand auf seine Brust. Alles im Kopf.
Und, OK, zwischen den Beinen. Es ist nicht so schwer, wie du denkst.
Doch, ich denke, das ist es schon., meinte Mark. Wenn man
dir richtigen sexuellen Veranlagungen hat, ist es noch etwas einfacher,
wenn du verstehst. Egal. Ich könnte es nicht. Meinst
du, daß es einen abstumpft?, wollte David wissen. Ja, vielleicht
tut es das, aber das ist nicht wichtig. Wieso? Ist die Liebe für
dich gar nicht wichtig?, fragte Mark schockiert. Ich glaube nicht
so recht daran. Ich schon., meinte Mark. Einen Moment schwiegen
sie. Du wolltest doch wissen, wieso ich dich nicht zufrieden lasse oder?
David horchte auf. Ich dachte, es wäre dir vielleicht schon aufgefallen.
Mark sah David in die Augen. Ich...Seit ich dich das erste Mal gesehen
habe, liebe ich dich. David klappte die Kinnlade herunter. Was?
Du hast es doch gehört. Mark sah an die Zimmerdecke. Ich
konnte dich nicht ihn Ruhe lassen, weil es mir weh getan hat, dich so fertig
zu sehen. Wieder schwiegen sie sich an. David starrte so vor sich hin.
Das erklärte natürlich alles. Nun, jetzt wo ich alles weiß
und du alles weißt,, brach Mark die Stille. Gibt es natürlich
keinen Grund mehr, daß ich dich weiter belästige. Hm?
David sah ihn an. Naja, weißt du, ich nerve dich doch sowieso
nur. Das war doch nur, weil ich dachte, du willst mich ausspionieren
und dann alles herumtratschen. Das würde ich nicht tun. Das
ich jemandem erzählt habe, daß ich mir Sorgen mache, heißt
nicht, daß ich auch erzählen würde, was mit dir los ist. Dafür
bist du mir zu wichtig. Ich finde, wenn wir schon soviel voneinander
wissen, besteht auch kein Grund, sich aus dem Weg zu gehen. Marks Augen
bekamen einen freudigen Schimmer. Meinst du das ernst? David nickte.
Aber ich sollte jetzt gehen, es ist schon kurz vor zwei. Du bist sicher
müde. So wach wie jetzt in diesem Moment war ich noch nie
in meinem ganzen Leben., erwiderte Mark. Egal, ich sollte jetzt
wirklich gehen. Wir sehen uns ja noch. David stand auf. Ich bring
dich noch runter.
Die beiden schlichen leise die Treppe hinunter. Mark öffnete David die
Tür. Bevor du gehst...versprich mir eins, ja? Was soll
ich dir versprechen?, fragte David. Daß du nie wieder da
hingehst und dich an die Straße stellst, OK? David sah Mark in
die Augen. Versprochen? Versprochen. Mark lächelte.
Er beugte sich vor. Seine Lippen berührten flüchtig Davids Gesicht.
Ach, tut mir leid, daß war dumm., entschuldigte er sich
aber gleich darauf. Ach, schon gut., meinte David überrascht.
Machs gut. Mark schloß die Haustür. Einen Moment
lang blieb David stehen. Dann ging er, mit einem Lächeln, das über
sein Gesicht huschte, nach Hause.
Seufzend ließ David sich in die Kissen sinken. Er verschränkte
die Arme hinter dem Kopf. Was für ein Tag. Er hatte jemandem, den er
kaum kannte, versprochen, etwas aufzugeben, was in den letzten Monaten so
elementar für ihn geworden war. Er hätte es sonst niemand anderem
versprochen. Er drehte sich auf die Seite und schloß die Augen. Irgendwie
schön, mit dem Gefühl einzuschlafen, daß es jemanden gab,
der ihn liebte. Wirklich liebte.
Am folgenden Morgen erwachte David mit einem seltsamen Gefühl. Er mußte
erst noch einmal registrieren, was gestern alles passiert war. Da war dieser
Typ, der ihm dreihundert Mark geklaut hatte. Dann war da Mark gewesen. Der
hatte ihn ausgefragt. Und außerdem erzählt, daß er ihn liebte.
David lächelte und streckte sich. Es war Donnerstag. Morgen begann das
Wochenende. An diesem Morgen war David also ziemlich positiv gestimmt. Sogar
sein Bruder wurde mal nicht von ihm aus dem Bad vertrieben. Am Frühstückstisch
lauschte er gespannt den Familienneuigkeiten. Sein Vater war heute mal auswärts
unterwegs und würde erst spät wiederkommen. Seine Mutter hatte den
üblichen Hausfrauenkram vor sich, waschen, bügeln und kochen. Alex
schrieb heute einen Aufsatz. Nichts besonderes eben.
Um kurz nach halb acht machte sich David auf den Schulweg. Er dachte über
Mark nach. Nach seinem Liebesgeständnis sah er ihn mit etwas anderen
Augen. Er war aber auch wirklich ein Blindgänger gewesen, nicht zu merken,
was los war.
In der Raucherecke standen schon ziemlich viele Schüler, da es recht
spät war für Davids Verhältnisse. Florian hatte ihn schon erwartet.
Na, alles klar bei dir? Ja. Alles locker., meinte
David und grinste freundlich. Nanu, heute so gut drauf?, wunderte
sich sein Kumpel. Ja, ich habe mal ausnahmsweise geschlafen! Nein,
wirklich! Florian schlug David freundschaftlich auf die Schulter. David
schaute sich um. Da sah er auch schon Mark, der gerade auf dem Schulgelände
eingetroffen war. Er hob einen Moment den Kopf, lächelte, als er David
sah und senkte den Blick wieder. Läßt der dich jetzt wieder
in Ruhe oder wie? Florian sah David schief an. Ist doch nicht
so wichtig oder? David sah Mark nach. Sie hatten sicher noch einiges
zu reden, vielleicht weniger schwerwiegendes als gestern. Aber jetzt stand
ihm erst mal ein langer Schultag bevor.
Hey David! Er sah sich um und erblickte Mark, der ihm auf dem
Gang gefolgt war. Hallo, na wie gehts? fragte. Ganz
gut., erwiderte David. Sie gingen einen Moment lang nebeneinander her.
Und, was hast du heute so vor? Wie, am Abend? Ja,
ich meine, wenn du noch nichts bestimmtes vorhast,, begann Mark. Dann
könntest du ja mal bei mir vorbeischauen. Ja, das müßte
ich eigentlich hinkriegen. Mein Vater kommt heute eh erst spät wieder
und meine Mutter, die muß ja eigentlich von nichts wissen., meinte
Mark. Schließlich bin ich es gewöhnt aus dem Fenster zu klettern.
Mark lächelte. Ein bißchen. Ja gut, dann komm doch einfach
vorbei. So gegen 21 Uhr? Geht klar. David nickt zustimmend.
OK, ich muß jetzt, bis dann! Mark lief schnell den Gang
herunter um pünktlich zur nächsten Stunde zu erscheinen.
Punkt 21 Uhr stand David bei Mark auf der Matte. Wieder gingen sie die Treppe
hinauf, diesmal aber im Hellen, schließlich waren Marks Eltern noch
wach. In Marks Zimmer ließ sich David auf das Bett fallen. Da
bin ich. Ja, da bist du. Mark setzte sich wieder auf den
Sessel und kuschelte sich tief in ihn. Also, über was wollen wir
reden? Ach, das ist schon mal gar kein guter Anfang für ein
Gespräch., meinte Mark. Das muß spontan kommen.
Wo wir schon ein Thema hätten., witzelte David. Die
Spontaneität beim gepflegten Gespräch. Nee, ich glaube,
das lassen wir bleiben., wehrte Mark ab. Sag mal, wissen deine
Eltern eigentlich, was mit dir los ist?, wollte David wissen. Diese
Schwulengeschichte? Mark setzte sich aufrecht hin. Ja, seit etwa...einem
Jahr wissen sies. OK, übliche Psychiaterfrage: Wie
haben sie reagiert? Besser als ich erwartet hatte., erwiderte
Mark. Klar, zuerst gabs mächtig Krach und so weiter, aber
nach ein paar Monaten hatten sie es einigermaßen verdaut. Wir reden
zwar nicht dauernd darüber, aber tabu ist es nicht mehr. Das
finde ich cool., meinte David. Und du? Du hast gestern sowas angedeutet.
Mit den sexuellen Veranlagungen, wenn ich mich recht erinnere.
Mark sah ihn interessiert an. Naja, so genau habe ich mich da noch nicht
festgelegt. Das klingt zwar unlogisch nach meiner ganzen Vorgeschichte, aber
es ist so. Mark sah etwas ernüchtert drein. David sah das und fügte
hinzu: Aber ich würde eher zum anderen Ufer tendieren. Weißt
du, ich hatte mir ja keine Hoffnungen gemacht, OK, das schon, aber so richtig
gedacht, den kriege ich, nö., sagte Mark. Ich will dir damit
ich nicht so auf den Wecker gehen. Tust du nicht., meinte
David. Ich finde das alles sehr interessant. Schließlich ist es
das erste Mal, das jemand mir seine Liebe gestanden hat. Naja...
Marks Gesicht bekam einen leichten rötlichen Schimmer. Ich mußte
es dir gestern einfach sagen. Ist doch auch OK. Eine längere
Pause folgte. Naja, jetzt haben wir uns ja psychologisch ganz gut ausgesprochen.
Wie wärs mit etwas Heiterem?, schlug Mark nach einer Weile
vor. Ich habe gerade von einem Kumpel ein paar Videos geliehen. Wollen
wir eins sehen? OK, wir können ja später irgendwann
weiterreden., stimmte David zu.
Als David zu seinem Fenster hinaufkletterte war es kurz nach eins. Mark und
er hatten noch über eine Stunde gequatscht, nachdem sie sich einen Film
reingezogen hatten. Mit müden Knochen schwang sich David zum Fenster
herein. Und erstarrte. Er konnte in das Gesicht seines Vaters blicken. Papa...ich
dachte du wärst weg! Das sehe ich wohl, das du das dachtest.,
zischte sein Vater in seinem strengsten Ton. Wo warst du? Bei
einem Freund. Wir haben Videos geschaut. Ach ja? Mach mir nichts
vor., sagte sein Vater und machte das Licht in seinem Zimmer an. David
blinzelte in die Helligkeit. Warst du nicht vielleicht auch da wo du
gestern abend und vorgestern abend warst? Ich weiß nicht,
was du meinst., sagte David mit klopfendem Herzen. Lüg mich
nicht an. Sein Vater packte in am Arm. Ein Kollege von mir hat
dich gesehen. In einem Viertel, wo sich nur Nutten rumtreiben. Was hattest
du da zu suchen? Ich - Du brauchst gar nicht erst
zu antworten, ich weiß es. Sein Vater warf ein Bündel Geldscheine
auf dem Boden. Oder kannst du mir erklären, wo das hier herkommt.
Wieso schnüffelst du in meinem Zimmer rum? David riß
sich los. Die Fragen stelle ich!, rief sein Vater wütend.
Wieso, wenn du alles schon weißt. David funkelte ihn an.
Ich wollte hören, ob du wirklich so tief in der Gosse liegst wie
ich denke. Wenn du es wissen willst... David sah seinen
Vater von oben herab an. Ja, ich bin das, was du denkst. Ein
Stricher, wirklich unglaublich. Was denkst du dir eigentlich?, schrie
sein Vater in erhöhter Lautstärke. Was soll ich schon denken!
Das war dir doch sonst auch immer egal! Werd mal nicht frech.
Davids Vater drohte ihm mit dem Zeigefinger. Was glaubst du denken meine
Kollegen, wenn sie sehen, daß mein Sohn in diverse Autos einsteigt und
sich durchvögeln läßt? David schnaubte. Es war
ja klar, daß du nur wieder daran denkst, was die Leute von dir halten.
Aber mach dir keine Sorgen, sicher hatte ich auch schon mal das Vergnügen
mit einem deiner lieben Kollegen. Sein Vater holte aus und gab ihm eine
Ohrfeige. Das war schon immer deine Art, mich zum Schweigen zu bringen.,
sagte David trocken. Hör zu. Das hier wird deine letzte Nacht hier
sein., sagte sein Vater mit schnellem Atem. Ich will dich hier
nicht mehr sehen. Du kannst wiederkommen, wenn ich es sage. Du
glaubst doch nicht, daß ich wiederkomme oder? Um so besser.
Nur um deine arme Mutter tut es mir leid. Davids Vater drehte sich um.
Morgen Mittag bist du hier verschwunden. Das waren seine letzten
Worte, bevor er das Zimmer mit zuschlagender Tür verließ. Was
war denn los, Manfred?, hörte David seine Mutter fragen. Das
erzähle ich dir, wenn du dich gesetzt hast. Das war sein Vater
gewesen. David gab sich gar keine Mühe zu lauschen. Er stürmte schnell
zu seiner Tür und drehte den Schlüssel im Schloß herum. Er
verharrte kurz und überlegte. Was mußte er alles einpacken? Das
alles kam etwas plötzlich, aber nach den letzten Tagen konnte ihn schon
gar nichts mehr wundern. Die größte Frage war allerdings: Wo sollte
er hin? Er hatte eigentlich keine Lust darauf zu Florian zu gehen. Der ging
ihm nämlich langsam oder sicher gewaltig auf den Sender. Da blieb noch
Mark. Aber den kannte er kaum, trotz allem, was sie voneinander wußten.
Aber fragen konnte nicht schaden. Eine Nacht hatte er noch in seinem Zimmer.
Doch jetzt hieß es packen und nicht wehmütig werden. David ging
zum Fenster und hob die Geldscheine auf, die auf dem Fußboden lagen.
Wenigstens hatte sein Vater das Geld liegenlassen Zur Not würde er sich
davon auch eine Unterkunft bezahlen können. Schnell steckte er das Geld
ein. Dann ging er zum Kleiderschrank und stopfte wahllos einige Dinge in eine
Sporttasche. David wunderte sich, daß ihm eigentlich gar nicht soviel
einfiel, was er mitnehmen wollte. Ein paar Anziehsachen, persönlich wichtige
Dinge, das Geld. Das wars. Er hatte wenig Lust dazu, noch eine Nacht
hier zu verbringen. Zuhause war eben jetzt nicht mehr Zuhause. Von einer Sekunde
auf die andere. Wie das Leben so spielt. David setzte sich auf sein Bett.
Die Frage Zum letzten Mal? geisterte in seinem Kopf herum. Naja,
zum allerletzten Mal würde er hier sicher nicht sein. Irgendwie war es
doch klar gewesen, daß sein Vater ihn rausschmeißen würde.
Schließlich hatte er gewisse Dinge herausgefunden, von denen kein Vater
begeistert gewesen wäre. David zuckte mit den Schultern und begab sich
in die Waagerechte. Er sah sich in seinem Zimmer um. Ja, das würde er
vielleicht vermissen. Er schloß die Augen.
David wachte auf, als jemand wie wild an die Tür klopfte. David!
Mach die Tür auf., hörte er die Stimme seiner Mutter rufen.
Blitzschnell war er hellwach. Er setzte sich auf. Jetzt hieß es schnell
handeln. David stand auf, nahm seine Sporttasche und seinen Schulrucksack.
David! Mach sofort die Tür auf! Er öffnete das Fenster
und warf die Sachen hinunter. Dann kletterte er, wie schon so oft, an der
Hauswand herunter. Unten angekommen nahm er wieder seine Sachen, sah sich
noch einmal um und verließ dann mit schnellen Schritten das Grundstück.
Als er in der Schule ankam, war David ziemlich fertig, da die paar Sachen,
die er mitgenommen hatte, doch ziemlich schwer waren. Er ließ sich auf
die Bank in der Raucherecke fallen, kramte eine Zigarette hervor und zündete
sie an. Er streckte die Beine von sich. Im Moment fühlte er sich noch
nicht besonders heimatlos. Jetzt war noch alles wie immer. Da kam auch schon
Florian. Er zeigte auf Davids Sachen. Was hat das denn zu bedeuten?,
fragte er. Willst du ausziehen? So ähnlich.,
gab David ihm zur Antwort. Aha, jetzt bin ich schon viel schlauer.
Florian setzte sich neben ihn. Ja, gut, mein Vater hat mich rausgeschmissen.
Florian zog die Augenbrauen hoch. Wieso das denn? Kleine
Differenzen, nicht so wichtig. Kann ich vielleicht bei dir pennen? David
sah Florian an. Also, ich glaube, das geht nicht. Es ist nicht wegen
mir, aber meine Eltern sind etwas... Spießig, verstehe schon.
David setzte sich aufrecht hin. Naja...kannst du nicht noch wen anders
fragen? Sicher. OK., meinte Florian mit einem
skeptischen Seitenblick. David starrte so vor sich hin. Da sah er ein bekanntes
Gesicht. Mark Stern. Sollte er ihn jetzt fragen oder nicht? David legte den
Kopf schief. Er kannte ihn ja eigentlich nicht besonders gut. Und dann gleich
eine Unterkunft mit Halbpension, was immer... Aber fragen konnte man ja mal.
Mark kam an der Raucherecke vorbei und David sprang auf. Hey!
Mark sah herüber. Sein Gesicht hellte sich auf. Hi! David
ging mit zügigen Schritten auf ihn zu. Hallo, gut, daß du
kommst. Probleme?, wollte Mark wissen, als er einen Blick
auf Davids Tasche warf, die bei ihm über der Schulter hing. Allerdings.,
gab David zurück. Du, ich wollte dich was fragen... Na,
dann raus damit! Mark blickte ihn freundlich. Also, die Sache
ist die...Mein Vater hat mich gestern praktisch gestellt, weil er etwas herausgefunden
hat, du weißt schon. Mark nickte. Naja, und jetzt hat er
ich rausgeworfen. Und da wollte ich mal fragen, ob - Na klar,
das wird schon gehen., unterbrach Mark ihn. David sah ihn fragend an.
Du wolltest doch wissen, ob du bei mir schlafen kannst oder? Stimmt,
aber woher - Wieder konnte er nicht zuende sprechen. Na, was hättest
du sonst wollen können? Ich werde mal meine Eltern fragen, aber ich denke,
das geht. Aber sie kennen mich gar nicht! Nicht direkt.,
sagte Mark geheimnisvoll. Wie jetzt? Sie wissen, daß
ich verliebt bin, aber nicht in wen, also kennen sie dich indirekt.
David sah sich um. Anscheinend schien niemand gehört zu haben, was Mark
gesagt hatte. Und da meine Eltern eigentlich ganz gütig sind, seit
einiger Zeit wieder, du verstehst...Komm einfach nach der Schule mit zu mir.
Wenn du meinst, daß das wirklich geht... Klar, wir
sehen uns. Mark drehte sich um und wollte gehen, doch David hielt ihn
fest. Hey, warte mal...Danke. Mark lächelte ihn an. Schon
OK. Dann ging er auf das Schulgebäude zu. David sah ihm nach und
spürte kurz darauf eine Hand auf seiner Schulter. Es war Florian. He,
hast du den Typen mal gefragt? Ihr hockt anscheinend in letzter Zeit öfter
zusammen., sagte er. Naja, wir kennen uns nur flüchtig...Aus
Deutsch und so weiter. Und, was ist jetzt?, fragte sein
Kumpel. Ja, ich denke ich habe eine Bleibe für die nächste
Zeit. Hoffentlich. Dann ist ja gut., sagte Florian, klopfte
ihm auf die Schulter und wollte ebenfalls gehen, doch auch ihn hielt David
zurück. Du, einen Moment mal...Wo bleibt eigentlich mein Geld?
Florian schien nach einer Antwort zu suchen. Ja, weißt du, ich
bin ein bißchen knapp bei Kasse... Nichts neues also...
Nächste Woche kriegst du die Hälfte, OK? Florian lächelte
ihn scheinheilig an. Na gut, sonst mach ich Terror, hörst du?
David machte ein grimmiges Gesicht. OK, dann ciao. Florian hatte
es auf einmal sehr eilig, in den Unterricht zu kommen. |